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13. Januar 2009 2 13 /01 /Januar /2009 16:59
Die Festtage sind vorbei und mit ihnen die Menschenanhäufungen an Tischen zu mehrgängigen Menues, die tummelnden Massen in den Einkaufscentern und endlich vorbei auch der ganze hektische Rummel. Depression herrscht im Monat Januar, nicht nur in der Geldbörse, sondern auch im gesellschaftlichen Leben, in der Gemütsverfassung und im Glauben an die Hoffnung. - Komisch diese Menschengattung, ein Big Brother ohne Kameras, und doch mit Distanz gesehen äusserst absehbar.
Absehbar aber auch nur weil ich ein Kind dieser Zeit bin - leider! Und so flüchte ich mich mittels Büchern, Bildern, Zeitdokumenten und Filmen in die Epochen, welche mir mit absoluter Sicherheit entsprechen. Und siehe da: ich werde endlich wieder überrascht. Beispiele zur Veranschaulichung gefällig? Gerne! Und vorweg: Nehmen Sie sich diese Vergleiche zu Herzen und probieren Sie's aus!
Zu Zeiten von Jane Austen beherrschten die Menschen die Sprache, die Poesie und die Anstandsettikette. Nie wäre es einem Protagonisten von Austen in den Sinn gekommen, karg mit einfachem, direktem Weg nach einer Antwort zu fragen, sondern er hatte Selbstbeherrschung und Phantasie! Die Dialoge waren geistreich, die Worte auserwählt.

Oder schauen wir uns einen heutigen Krimi an: voller SpecialEffects, mit harten Typen und weichen Frauen, schnellen Schnitten und lautem Getöse von Explosionen. Mit einem Finish in dem das klar deklarierte Gute gegen das plumphinterhältige Böse kämpft, wobei die weibliche Hauptdarstellerin auf ihren starken Helden wartet - trotz schlechter Voraussetzung weiss sie, dass ihr Retter den Kampf gewinnt. Sie sieht das schlechte Exemplar von Mann zu Boden fallen und stürzt sich in Sekundenschnelle in die aufpumpten Arme ihres Retters. Dieser ist bereits wieder von sexuellen Verlangen erfüllt, vergisst seinen totgeglaubten Gegner und beginnt von seiner starken, selbstbewussten (damit das weibliche Publikum sich auch stark fühlt) Partnerin ihre aufgeblasenen Brüste zu massieren. Nach spätestens fünf Sekunden jedoch hat sich der wahnsinnige Zerstörer aber wieder gefasst, er bemerkt die 20 Kugeln in seiner Brust nicht, ebenfalls unbemerkt bleiben ihm die Schnittwunden, welche bis auf den Knochen gehen, greift er doch zu der im ersten Kampf nicht eingesetzten, gut versteckten Waffe und schleicht sich von hinten an den Helden ran. Jetzt kommt die grosse Szene der Frau, die während des Kusses nur kurz ein Auge öffnet. Sofort erspäht sie im Blickwinkel den Anschleicher und schreit somit endgültig zur Vernichtung des Bösen auf. Beim Abspann klettern die beiden Helden aus den noch qualmenden Trümmern hervor. Der Selbstjustiz plötzlich überdrüssig, verschwinden sie scheinbar im Sonnenuntergang, um dann aber den Weg zur  Polizei zu begehen, da sie als siegesbewusste, gute Menschen gefeiert werden wollen.
Krimis in s/w vor 1970 hingegen sind realistischer; eine einzige Kugel reicht aus, um den Ganster zum Erliegen zu bringen. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist fliessend - nicht so extrem wie heutzutage - schliesslich sind wir alle potentielle Ganster und potentielle Helden. Deshalb frönt der Held selbst auch Laster und ist kein Tugendbold, doch besitzt er ein gesundes Mass an Relation und kann sich auch anständig mit einem Verbrecher unterhalten, ohne dass es gleich zu einem - derbverbalen oder faustdicken - Zweikampf kommen muss. Kurz: Die Helden in meinen Lieblingsfilmen sind clever, gewitzt und gewinnen durch ihren Geist und nicht durch besonders exotische Kampfkünste! Ebenfalls sind die Kulissen bei "meinen" Filmen die heimlichen Stars, dafür aber gibt es keine zusätzlichen Überraschungen knapp vor Filmende, ..dies haben die alten Filme einfach nicht nötig; ihnen kann man eben noch Vertrauen schenken.

In diesem Sinne; hören Sie zu, wenn die Vernier spricht, denn nun ist sie bei ihrem Thema angelangt!

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

WORTlieb 01/14/2009 19:08

Liebe Vernier,
gut gesagt, was du gesagt. man bedenke auch die Filmmusik. Filmmusiker wurden schliesslich nach Sekunden bezahlt und so gab es einen Kampf zwischen Produzenten und Musiker. Am Ende entsand stets ein Film, mit stillen Momenten, mit langen Musikszenen, etc. Gibts das heute noch?
Dein Blog regt an, Vivienne! Vive Vivi!

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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