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14. Mai 2009 4 14 /05 /Mai /2009 00:51
Jedes Lebewesen sucht sich einen Ort aus, wo es sich rundum wohl fühlt. Sogar die Pflanzen sagen uns Gärtnern wo sie stehen wollen, wo der Platz ist, wo sie Licht- und Schattenportionen bekommen um glücklich zu sein und neu spriessen zu können um ihre Blütenpracht vollends entfalten zu dürfen. Es ist mir jedoch auch schon passiert, dass eine Zimmerpflanze und ich keine Symphatien für einander verspürten, die Chemie zwischen uns einfach nicht gestimmt hat - da wurde sie vorübergehend zur Heimatlosen, bis ich ein neues Asyl für sie gefunden hatte.

Auch unser Haustier, die Huskyratte, dachte sich nach drei Monaten Zusammenleben, sie müsse zuerst in die weite Welt erkunden, bevor sie sich entschliessen wollte, wo ihr Zuhause sei. So verschwand sie eines Nachts und liess unser Haushalt hinter sich. Wir Zurückgebliebenen grämten uns, trauerten und hofften. Was nicht falsch war, denn nach drei Tagen und drei Nächten stand diese eigenwillige Ratte vor unserer geschlossenen Türe und verlangte Einlass. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich glücklich über die griesgrämige Nachbarin, denn diese kam spät nachts nach Hause, sah unsere Ratte vor unserer Türe und schrie das ganze Haus wach -mit dem Echo im Treppenhaus und ihrer schrillen Stimme können sogar die grössten Domglocken im Lärmpegel einpacken! Für die Ratte war unsere Wohnungstüre Ithaka und trotzdem nannten wir sie nicht Odysseus.

Die Heimat von uns Menschen, der Krone der Schöpfung liegt doch wohl nicht in der Nationalhymmne eines jeden Landes! Auch nicht im Schoss der Familie - denn ich glaube in den meisten Fällen nicht an den alten Spruch  'Blut ist dicker als Wasser'. Nur weil Eltern ihr Kind grossgezogen haben, heisst das noch lange nicht, dass Eltern ihren Nachwuchs auch verstehen. Gewohnheit heisst noch lange nicht Heimat.
Heimat beginnt bei der Freiheit. Demokratie ist auf Freiheit aufgebaut, ist in den Grundgesetzen verankert. Wenn aber Milch und Honig fliessen, wollen die gut Verköstigten keine Freiheit - schon gar keine Freiheit in den Gedanken. In der amerikanischen Verfassung ist das Recht auf Glück festgehalten. In Europäischen das Recht zur freien Persönlichkeitsentfaltung. Neusten Studien zufolge sind 80% aller Arbeitnehmer unglücklich in ihrem Job. Wenn es dem Menschen zu gut geht, verrostet er, wird zum geistigen Grobmotoriker der ohne zu überlegen immer gleich den Kompromiss eingeht und dabei sein emotionales und geistiges Potential verrotten lässt. Ausreden wie 'die Realität sieht aber anders aus', 'ich habe meine Verpflichtungen - kann doch nicht alles stehen und liegen lassen' hängen mir zum Halse hinaus! Ich sage dazu nur:  Alltagstrott lässt Trottel gedeihen!
Das Absolute können keine Trottel erreichen - auch wenn sie ein noch so eifriges Rädchen in der Gesellschaft sind. Das Absolute erreichen Menschen, die an die alten Märchen aus Kindertagen glauben, und die bereit sind, dafür Entbehrungen aller Art auf sich zu nehmen. Menschen, deren Ausdauer und Wille mehr überwiegen als tiefe Enttäuschungen. Und vor allem Menschen die Anspruch auf Intensivität hegen.
Die Vernier stellt fest, dass Heimat eigentlich etwas sehr kleines aber sehr feines ist.
Zum Beispiel eine Hochzeit bei der keiner der Ehepartner einen Provit gewinnt - sondern es nur um die heilige Vereinigung zweier Liebenden geht, die absolut von früh auf an die platonische (sowie libidinösen) Lehre der beiden Teile die ein Ganzes ergeben, glauben.
Zum Beispiel ein Gesangsstück, das beim Hören die innersten Emotionen hervorkehrt, man aus tiefstem Herzen schluchzt, wissens- und willenlos nur bis ins Mark berührt und erschüttert.

Heimat tragen wir in uns. Heimat sowie auch Glück und Liebe sind Emotionen von denen wir nichts ahnen, die uns aber unvorbereitet überkommen und zwar so intensiv, dass die Vernunft ausgeschaltet wird und alles andere nebensächlich ist. Und genau das ist die wahre Freiheit. Gegen diese Freiheit kann der freie Wille, der Neurologe, die Chemieindustrie, die Wissenschaft, die Philosophie, die Esoterik und alles andere einpacken!!! Dieser absoluten Freiheit ist der Mensch nicht mächtig - und wird daher seiner Krone enthoben und kommt an dieselbe Stelle wie Flora und Fauna.
In diesem Sinne wünscht die Vernier ihrer Leserschaft die Erfahrung mit der absoluten Freiheit - streben Sie nach ihren Idealen und geben Sie NIE auf!

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Mimi 06/05/2009 16:32

Das mit der Ratte is ja süüüüüüüüüüss!

pötin 06/05/2009 16:11

ich trage auch meine heimat mit mir rum; darf ich vorstellen: sie heisst ERNST! sehr gutes blog. die themen sind so anschmiegsam und unkonventionell! phantasievoll und kreativ! einzig eine kritik: MEHR BLOGS! MEHR THEMEN! ÖFTERS SCHREIBEN! vielen herzlichen dank, vernier, für den einblick in deine heimat!

Flo(w) 06/04/2009 18:23

Das mag seltsam klingen, doch machte ich mir mein seelisches Heim und Heimat dadurch bewusst, indem ich diesem abstraktem Bereich einen anderen, menschlichen Namen gab, ihn personifizierte. Dieser Raum ( oder besser gesagt "sie") heißt in meinem aktuellen Lebensumfeld noch genauso wie vor wenigen Jahren, als ich woanders gelebt habe.
Ich habe ihn mitgenommen, auch wenn er sich doch deutlich verändert hat, aber ich kenne ihn in all seinen positiven und negativen Charakterzügen.

Thomas+von+Katzberg 05/16/2009 09:25

Hier können ab sofort Ihre Banner in meiner Topliste eingetragen werden.

http://toplists.in/de-toplisten/tl/1653/

Thomas+von+Katzberg 05/16/2009 09:10

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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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