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6. Juni 2009 6 06 /06 /Juni /2009 04:08
BannerDer erste Schneefall hüllte die morbiden Betongebäude unerbärmlich ein. Ebenfalls schluckten die riesigen Flocken alle grellen und üblichen Geräusche einer Grossstadt auf. Die früh einsetzende Dunkelheit und die frische Kälte hatten die Menschen von der Strasse ins traute Heim vertrieben.

Ich jedoch hatte die Tage gezählt bis mein geliebter Winter  Einzug hielt. Als es in dieser Donnerstag Nacht endlich soweit war, dass sich mein sehnlicher Wunsch erfüllte, stürzte ich in mein Wintermärchen. Wie sehr hatte ich den knarrenden Laut vermisst, wenn der Schuh bei jedem Tritt den Schnee komprimiert, was für eine Augenweide waren die Bäume mit ihren weissen, schaumigen Behängen und der unermüdliche Schneefall, der mich während des Spazierganges zu einer Königin kürte. Königin der Umkehrung. Der samtschwarze Nachthimmel gleich dem ewigen Meer, die schneidend funkelnden Sterne anschmiegsam wie Muscheln und lasziv aufliegend. Umrisse von Funktionsgegenständen lösen sich auf, werden zu Form und Figur.

Die Umgebung versprühte Inspiration, liess Geister musischer Connaisseure aufleben; Anaiis und Henry, Johann Wolfgang, Auguste und Camille, Braque und Picasso wandelten sanft umher streichelnd, meinen Weg entlang. Meine Phantasie vermischte sich immer mehr mit jedem meiner Schritte, umschlang meine Beine wie Lianen sich um Bäume schlängeln.

Plötzlich hörte ich das unverwechselbar stark aphrodisische Saxophon Bechet's zu ‚petit fleur’ ansetzen. Kurz stockte mein Herzschlag um sodann vor lauter Endorphin heftig wie ein Vulkan zu sprühen. Ich verliess mich auf mein Gehör und folgte der Melodie.

Die Musik schall sanft aus einem sonderbaren, kleinen Laden. Ich liess mich von den bannenden Tönen bis vor die Türe führen. Dort las ich in Kaligraphiebuchstaben geschrieben: ‚Lesen heisst Denken'.

Neugierig geworden drückte meine Hand den Türknauf auf. Dann stand ich in einem Raum gefüllt mit alten, prachtvollen Büchern. Es roch nach einem herb würzigen Pfeiffentabak. Dutzende Kerzen spendeten Licht und Wärme. Die Atmosphäre in diesem Buchantiquariat war zeitlos, der Übergang meiner Vorstellungskraft in die Realität fühlte sich an, als ob ich von sanften Wellen getragen in ein Delta von Wunsch und Wirklichkeit geglitten war.

"Darf ich dich zu einem wärmenden Trunk einladen? Natürlich kannst du dich auch nur umsehen, ohne meiner Einladung Folge leisten zu müssen. " hörte ich einen männlichen, tiefen Timbre irgendwo hinter einem Büchergestell sagen. Nicht die Worte oder die Vorstellung an das Getränk, sondern der Klang dieser rubinroten Stimme liess mich innehalten. "Nun happ' dich nicht so, entscheide dich!" Ich wusste nicht wieviel Zeit verstrichen war, doch diese erotische Stimme klang ungeduldig - und wirkte sich verherend  auf meine Sinne aus; ich war erregt und wollte mich von weiteren Verheissungen überraschen lassen.
Die Bücherregale waren so angeordnet, dass sie mich labyrinthartig in den hinteren Teil des Geschäftes leiteten. Auf diesem geheimnisvollen Weg wechselte die Musik; der einlullende Sirenengesang Tanita Tikarams animierte mich, meinen Gang mit einem betonten Hüftschwung zu begehen. So erreichte ich ihn. Er sass entspannt in einem Sessel, die Krawatte gelockert und die oberen Knöpfe seines Hemdes gelöst. Mein Blick fiel auf das krause V seiner Brusthaare und mir war's egal, dass sein erster Eindruck von mir nicht als schicklich zu bezeichnen war. "Du musst entschuldigen, aber ich geniesse hier meinen Feierabend." Seine Stimme liess auf's Neue meine Nerven vibrieren. Ich begegnete seinem Blick, der leicht spöttisch und wissend, aber tief eindringend meinem begegnete. Um die Spannung zu unterbrechen, liess ich meinen Mantel über meine runden Schultern gleiten. Seiner Aufmerksamkeit war ich gewiss, auch wenn ich mich leicht abwandte, sie brannte Feuermale in meine Haut ein. Wortlos setzte ich mich ihm gegenüber, wortlos schenkte er mir ein Glas Liqueur ein. Ich nahm es in die Hand und roch daran."Drambuie“ beantwortete er meine wortlose Frage. „Zusammengebraut aus Whisky und einer Kräutermischung. Das Rezept ist ein gut behütetes Geheimnis, das nur die Familie kennt, die diesen Zauber herstellt ." - "Na dann, Prosit: auf die Geheimnisse der Nacht!" sprach ich, hob mein Glas an und lächelte ihm entgegen. Er war für mich nicht zu fassen, aber er faszinierte mich fast  bis zur Besinnungslosigkeit.

Wenn Sie erotische Leckerbissen mögen und Ihnen dieser Prolog gefallen hat, dann möchten Sie bestimmt weiterlesen ... Diese Fortsetzungsgeschichte wird auf meinem neuen Erotik-Blog artePORNO weitergeführt (klick)

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

nympheli 06/07/2009 16:52

endlich funz die kommentar-option wieder. was war los?

zu artePORNO: ich finde es sehr gut in der flut von pornographie ein zeichen zu setzen, welches die wahren werte wieder in den mittelpunkt rückt. erotik kann so schön sein, wie dieser blog!

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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