Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
14. Juni 2009 7 14 /06 /Juni /2009 20:20

Wie die Tiere über einen Urinstinkt verfügen und dank diesem, oft lebensbedrohlichen Situationen entkommen können, ist den Menschen ein Urtrieb gegeben, der sie nach Liebe in all ihren Formen   und nach der absoluten Liebe suchen lässt. Manche wurden enttäuscht; begegneten der Liebe, aber verloren sie wieder. Manche fanden das halbe Glück und manche haben aufgegeben. Sie alle neigen danach dazu, die Liebe als Kitsch, als Nichtigkeit, als Illusion zu bezeichnen. Sie sind erkennbar: sie verlagern den unerfüllten Wunsch zum Teil in Spott, in Ehrgeiz, in schädliche Neigungen um.

Manche jedoch finden in der Kunst auch Trost, lassen dadurch wunderbare Meisterwerke entstehen – die das Erbe unserer Menschheitsgeschichte verkörpern. In unserer modernen Welt haben viele Menschen bei Klassikern eine Hemmschwelle; oft unterliegt man dem falschen Glauben, dass es einen Hochschulabschluss benötigt, um sie verstehen zu können. Die Annäherung an Klassiker mittels Intellekt ist falsch! Klassische Meisterwerke kann man nur mit ‚Feeling’ verstehen. Mit dem uns Menschen geschenkten Urtrieb ‚Sehnsucht Liebe’. Wer sich dies zu Herzen nimmt, wird NIEMALS sagen, dass Theater, Oper oder Ballet veraltet seien.

Sie sind aktueller denn je! Die Handlung eines jeden Stückes ist identisch mit zeitgenössischen Spielfilmen; die Menschen von damals hatten dieselben menschlichen Probleme wie wir heute. Mit Souveränität kann man die Schauplätze der ‚alten’ Bühnenstücke in seiner Phantasie der Moderne anpassen – und schon hat man eine abendfüllende, zu tiefst berührende, mitreissende Vorstellung – die gefüllt mit Schönheit  und Tragik auch beim Publikum ein paar Tränen fliessen lassen.

Der Selbsterkennungseffekt wird nicht ausbleiben. Vielleicht wird Ihnen mittels Arien bewusst, dass Sie bei der Musik zum  Tragischen, Schweren tendieren, Sie auch bei der Wahl der Weine einen schweren Rotwein bevorzugen.

Oder wenn die Operette Ihren leichten, beschwingten Lebensstil verkörpert, Sie auch gerne mal bei der Bedienung einen spritzigen Weisswein bestellen.

Als spannend könnte sich auch Ihr Geschmack bei den von Ihnen favorisierten Stimmen  zeigen. Vielleicht wird die Stimme der hochgerühmten Callas Ihnen eine Spur zu spitz sein. Stattdessen spricht Sie die Stimme der engelhaften Tebaldi an. Vielleicht schrumpft der grosse Pavarotti in Ihrer Meinung und der unterschätzte Giuseppe Campora wird für Sie zum  grossen Opernstar. Oder es darf auch Jussi Björling mit seiner Tenorstimme neben Campora auf Ihrem persönlichen Podest stehen.

Oder Ihr vorrangiger Zugang liegt nicht in der Musik, sondern in der Ästhetik. Dann gönnen Sie sich doch einmal einen Augenschmaus im Ballett. Schöne Menschen instrumentalisieren ihren Körper zur Sprache. Sie gehen im Tanz auf, bezwingen spielerisch die Schwerkraft mit Disziplin und lösen ihren Knochenbau mit Muskeln auf.

 

Die klassischen Künste dringen weit in unseren Kern ein, wirken sich dort aus, massieren ihn regelrecht. Sie schleudern ihn im Schonprogramm umher, lösen ihn auf, um ihn neu zu formen. Darum - sagt die Vernier - ist es wichtig, sich nur dann darauf einzulassen, wenn unsere Lebenskraft nach ihnen verlangt. Wenn unser Sinn danach lechzt, gefüllt zu werden. Wenn wir nicht nur eine Oberflächenbehandlung, sondern einen Frühlingsputz benötigen.

Und hören Sie auch nächstes Mal zu, wenn die Vernier spricht - in diesem Sinne wünscht  sie Ihnen "from the bottom of her heart" viel Vergnügen!

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Vivienne Vernier - in Artikel
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Ein Fan 07/05/2009 17:15

Liebe Vivienne Vernier,
ich finde es sehr schade, dass Sie so lange nichts mehr geschrieben haben. Ich lese Ihre Artikel immer sehr gerne und fühle mich von Ihnen verstanden. Jeden Tag schaue ich nach, ob Sie vielleicht wieder etwas geschrieben haben, aber seit dem 14. Juni bin ich immer enttäuscht worden. Vielleicht sind Sie in den Ferien, vielleicht sind Sie krank oder gar im Spital, vielleicht haben Sie eine von diesen bekannten Schreibblockaden. Wie dem auch sei, ich möchte Ihnen alles Gute wünschen und Ihnen Kraft senden, damit ich und Ihre Leserschaft bald wieder etwas von Ihnen lesen können.
Hochachtungsvoll,
Inge Spreitenbach

WORTART 06/17/2009 13:10

Ich mag es ja, wenn ich mich mit einem SingleMalt in die Oper schleiche und mir ein Ballet ansehe. Bei Logenplätzen rauche ich auch gerne Mal eine Zigarre dazu. Das dumme ist, dass ich nach jedem dritten Besuch die Oper wechseln muss - für immer!

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

portraitaugeblog3.jpg
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

      vernier_micro.png

 feed-Kopie-1.png  twitter-Kopie-1.png  facebook-Kopie-1.png

Besucherzaehler