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16. Juli 2009 4 16 /07 /Juli /2009 01:27
Es gibt Augenblicke im Leben, bei denen wir unvorbereitet und völlig abrupt in eine andere Erdumdrehung gestossen werden. Dabei setzt uns das vertraute Zeitgefühl komplett aus. Würde ich auf die schulmedizinische Psychiatrie hören, würde ich sagen müssen: „Ab in die Klinik!“, denn das verlorene Zeitgefühl ist eines der ersten Anzeichen für Wahnsinn. ‚Verrückt’ ist aber das exakt beschreibende Wort für diesen Zustand. Aus dieser Welt, aus diesem Alltagstrott mit seinen kleinen Freuden und Problemen entrissen, beraubt unserer unbewussten Schutzwälle wurden wir vom Schicksal ver-rückt. So, als ob uns eine unsichtbare Macht, fraglos einen Spiegel vor unsere Seele halten würde, um uns der Ohnmacht preiszugeben. Es sind seltene Momente in denen wir ‚ver-rücken’. Momente der Besinnung, der Orientierung, der Umwandlung – was uns unter normalen Umständen als positiv auffällt – kann in diesem Moment seine negativen Aspekte betonen und umgekehrt. Im heutigen Sprachgebrauch sprechen wir von einer sogenannten Persönlichkeitskrise. Wobei sich diese Umschreibung negativ anhört, doch im Grunde nur das Beste für uns ist. Der Ursprung dieser Erkenntnisse ist immer absolut und kann aus Glück oder Traurigkeit entspringen. Von einer dieser Emotionen erfüllt, spüren wir die Sprengung unserer Grenzen, werden ins Unvorstellbare katapultiert, lassen unsere Erwartungen und unser bisheriges Sein zurück. Die treibende Kraft ist entweder Liebe oder Tod. Und wenn uns dieses Absolute erfasst, ist es ein Geschenk des Lebens. Ein Kuss des Schicksals. Wie Dornröschen, Schneewittchen und all die anderen erwacht man wieder zum Leben. Eine Neugeburt mögen es die Einen nennen, die Anderen eine Kreuzung beim langen Spaziergang des Lebens. Auf alle Fälle werden wir in diesen seltenen Augenblicken zum Zentrum, das uns zu leben antreibt, zurückgeworfen. Und dann nützen uns weder die bereits gesammelten Lebenserfahrungen, noch die alten Weisheiten etwas. Denn meist ist man so tief darin versunken, dass kaum jemand das wahre Verständnis dafür hat. Alle Reden nützen nichts. All die Worte erscheinen einem wie eine Fremdsprache.

Noch ein Tip; versuchen Sie nicht, Ihren Freunden all Ihre Gedanken und Überlegungen mitzuteilen. Ziehen Sie sich lieber zurück. Denn trotz all der schönen Freundschaftsbekundungen der Vergangenheit können sie die tiefe Ihrer Emotionen nicht nachvollziehen. Entweder bieten Sie Ihnen Hilfestellung durch ‚geschultes Fachpersonal’ an oder sie wenden sich von Ihnen ab, weil sie Ihre unsachliche, unvernünftige ‚Phase’ nicht verstehen und sich kaum die Mühe aufladen wollen, die Grenze ihrer eigenen Geduld überschreiten zu wollen. Aber das ist gut! Denn Einsamkeit - und im besten Fall Zweisamkeit - lässt uns, uns selbst begegnen. Schonungslos wird man mit der Tatsache konfrontiert, ob man sich selbst mag, oder nicht. Im zweiten Fall ist klar, wo Handlungsbedarf besteht. In dieser Einsamkeit muss man nicht zwingend im Alleinsein verweilen, man kann sich ganz gut auch unter die Leute mischen. Auch das ist dann eine interessante Begegnung mit sich selbst. Wie reagiert man dann? Wird man zum Zyniker? Wird man zum überheblichen Besserwisser? Wird man aggressiv? Überkommt einem das Selbstmitleid? Oder wird man gar zu einem Missionar? Wird man von der Frage geplagt, ob mit einem etwas Massgebendes nicht stimmt? Befolgt man dann Ratschläge, die einem souverän gegeben werden und geht dann los, um Heiler, Akkupunkteure, Apotheken oder sonstige Scharlatane heimzusuchen? Aber da wir alle Individuen sind, hat auch jeder seine Methode, was er daraus macht und wie er damit umgeht. Auf jeden Fall aber erfordern aussergewöhnliche Situationen auch aussergewöhnliche Ergebnisse!

Die Vernier setzt diesen Blog in Kürze mit zwei Anschauungsbeispielen – eines zur Liebe und eines zum Tod – fort.

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

vernier vivienne 07/16/2009 17:19

liebe leserschaft
warten sie's ab, denn dies war nur die einführung. meine anführungsbeispiele liebe und danach tod werden kommen, bald.

therapeut 07/16/2009 16:40

so, und nun setzt sich simona und der andere an einen tisch und diskutieren, weshalb sie so aufeinander reagieren. ich denke, selbst bei einem selbstmord hat die vernier recht, kommt alles gut. ;-) zumindest für einen. entweder für den, der gegangen ist oder für den der hiergeblieben ist. SUPERBLOG! SUPERARTIKEL! SUPERVERNIER

krtkr 07/16/2009 15:03

simona is ne dumme kuh. was hat selbstmord mit leben zu tun?

Simona 07/16/2009 14:31

Ich denke, die einen werden zum Besserwisser, die anderen werden Zyniker und die dritten bringen sich um. Ist dann immer noch alles gut?

Vivienne Vernier 08/14/2009 14:41



In Ihrem Kommentar wurde ich gefragt, ob Selbstmord ebenfalls im Guten ende. Natürlich habe ich darauf keine Antwort. Aber ich masse mir nicht an, über einen Menschen, der den Selbsttod wollte,
zu urteilen – das macht schliesslich schon die Kirche!


Sicher ist aber, dass der Selbstmord nicht zum Vergnügen verübt wird. Ein Mensch, der in den Tod flüchtet, muss einen so gewaltigen Leidensdruck aushalten, dass für ihn die Flucht in den Tod
erträglicher ist, als die menschliche Furcht vor dem Tod; d.h. sein natürlicher Überlebensinstinkt ist kleiner als sein Leiden – oder der Überlebensinstinkt ist grösser und schenkt ihm die
Lösung; denn wenn das Leiden die Seele zerstört, ist der Körper kein grosses Opfer um die Seele zu retten.



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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