Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
18. Juli 2009 6 18 /07 /Juli /2009 13:13

Von Liebe hat jeder seine eigene Vorstellung, hat jeder auch seinen eigenen Umgang damit gefunden. Ich bin überzeugt, dass die meisten Kompromisse geschlossen haben und dass, je vorgerückter unsere Lebensjahre sind, der Ursprung unseres nostalgischen Haftens an der Jugend, bei dem unerschütterlichen, naiven Glauben an die romantische, wahrhafte Liebe zu finden ist. Viele haben diesen Glauben jedoch verloren und trösten sich mit anderen Abhängigkeiten. Diejenigen aber, die den Narben, den Momenten der eigenen Peinlichkeit und Lächerlichkeit, den Enttäuschungen, der Vernunft trotzen, werden die traumhafte Liebe finden. Und sie wird sich noch schöner, noch ergreifender, noch beschenkender, noch grösser, noch intensiver, noch packender erweisen, als wir sie in unserer kühnsten Vorstellung erträumt haben. Glauben Sie mir, ich weiss, wovon ich spreche! Und ich bin überzeugt, dass sich diese absolute Liebe in die Ewigkeit bewahrt, und dass das gesprochene Gelübde bei der Trauung wahr ist.

Was mich jedoch bei Liebesfilmen, Liebesliedern, Büchern über Liebe äusserst skeptisch stimmt, ist die Tatsache, dass deren Handlung, wie in den Märchen, damit endet, dass die Liebenden sich gefunden haben und nun glücklich bis zu ihrem Lebensende vereint miteinander leben. Und so sich auch das Ideal der Liebe in unseren Köpfen abzeichnet. Es fehlt dabei doch das bestimmte Etwas, um diese Liebe von der Fiktion auch glaubhaft in unser Leben ziehen zu können.

Wenn man dem Menschen begegnet, von dem man seit seiner Jugend geträumt hat – der undefinierbare Traum, will man nicht mehr denken, will man seine Unabhängigkeit nicht mehr bewahren, will man keine Forderungen stellen, kann man keine Erwartungen mehr haben, weil die dann übertroffen sind. Wenn einem dieses Glück des Schicksals zuteil wird, lacht man zusammen über die Prioritäten seines Lebens, die man vor dieser Begegnung gehabt hat. Denn diese Liebe lässt nur noch Emotio durch unsere Adern fliessen. Dieses Lebenselixier schenkt Erkenntnisse. Talente, die jeder von uns hat, entspringen Emotio und werden fühlbar, treten in den Vordergrund unserer Wahrnehmung. Nicht das, was Ratio uns vorgegeben hat zu sein, macht uns glücklich, sondern die leise Stimme unserer Vorlieben. Durch diese Liebe verliert man die unterschwellige Angst vor dem Leben, die sich auch in jedem von uns eingenistet hat. Die Liebenden brennen förmlich darauf sich einander komplett hinzugeben und zu offenbaren. Durch den Vorgang des sich gegenseitigen Schenkens, des Sterbens des eigenen Egos - wird man neu geboren. Vor tausenden von Jahren sagte Plato, dass jeder Mensch die Hälfte eines Kreises ist, und erst dann die Seele erfüllt ist, wenn jeder seine andere Hälfte dieses Kreises gefunden hat. Beachten wir auch den Aspekt, dass bei den alten Griechen die Geometrie ihren Ursprung hat. Geometrie beschäftigt sich mit Formen. Ein Halbkreis gilt als eine selbständige Form. Zwei Halbkreise, also zwei Seelen, zwei Teile begegnen sich, verbinden sich – eine dritte Form entsteht und die beiden anderen Teile lösen sich auf. Es passt; einfach und fliessend – ohne menschliches Zutun; auch nicht in Form von Wille, Gewohnheit, Kompromiss oder sonstiges. Und mit diesem Wissen vor den Traualtar treten zu können, lässt kein Zweifel offen, dass die Ewigkeit existiert und das Treuegelübde ein heiliger Schwur ist. In allen Religionen wird geraten, so selten wie möglich zu schwören – und wenn, dann mit aller verbindlichen Ernsthaftigkeit.

Die absolute Liebe schält uns bis auf den Kern unseres Seins ab. Und wenn man einen Kern in Humus steckt, spriesst eine neue Pflanze hervor.

Wenn man diese Liebe versteht, liebt man die Oper! Puccini hat in Tosca diese Liebe umgesetzt. Flora Tosca, eine begnadete Sängerin liebt Mario Cavaradossi, einen ebenso begnadeten Maler. Die poetischen, lyrischen Liebesbezeugnisse im 1. Akt sind bewegend. Tosca ist aber krankhaft eifersüchtig, Mario’s Liebe bleibt dennoch unerschütterlich. Scarpia, der dämonische Polizeichef, fahndet nach dem ausgebrochenen Revolutionär Angelotti. Angelotti fand Hilfe bei Mario, wovon Tosca aber nichts weiss. Scarpia nun, der Tosca begehrt, nutzt Tosca’s Eifersucht erfolgreich aus, um Mario und Angelotti verhaften zu können. Im zweiten Akt wird klar, dass sich Angelotti gut versteckt hält. Mario aber ist gefangen und wird vor Tosca’s Augen gefoltert, damit er das Versteck des Revolutionärs verrät. Mario schweigt. Tosca wird klar, dass durch ihre Eifersucht, das Leben des Mannes, den sie über alles liebt, verloren ist. In einem dramatischen Ringen, verrät sie Angelottis Versteck. Mario aber wendet sich voller Abscheu von ihr ab. Scarpia hat seine beruflichen Ziele erreicht, doch sein Begehren nach Tosca will er auch stillen. Er schlägt ihr einen Handel vor: Tosca muss sich ihm hingeben, dafür verschont er Mario’s Leben indem er ihn nur zum Schein erschiessen lässt, und stellt ihnen ausserdem einen Passierschein zur Flucht aus. In einer tränenbewegenden Arie wächst Tosca über sich hinaus. Sie erkennt ihre Fehler, die Grösse ihrer Liebe und dass sie für Mario lebt. Sie steigt in Scarpias Angebot ein. Als sie von Scarpia den Passierschein erhält, tötet sie ihn. Aus Liebe zur Mörderin geworden. Verständlich für die absolute Liebe.

Im dritten Akt gibt Mario dem Scharfrichter sein letztes Hab hin, den Ring seines Vaters, um Tosca einen Abschiedsbrief schreiben zu können. Seine Liebe zu Tosca lässt ihn auch ihren Verrat an seinen Prinzipien, seinem Handeln, verzeihen. Auch diese Arie, lässt man seine Gefühle ungefiltert in das Schauspiel einfliessen, lässt mich nicht nur Tränen vergiessen, sondern auch laut aufschluchzen. Nun kommt Tosca zu Mario gestürmt. Sie hat den Passierschein für Mario und sich. Sie erzählt Mario was sich zwischen ihr und Scarpia abgespielt hat. Ihr Opfer, der Mord, zeigt Mario auf bewegende Weise auf, wie sehr auch sie ihn liebt; denn Tosca ist eine strenge Katholikin. Dann erzählt Tosca Mario, dass er nur zum Schein hingerichtet werde und dass er sich bei den Schüssen der Salven nur niederzulegen braucht. Wenn niemand mehr anwesend sein wird, würde sie kommen und mit ihm fliehen.

Scarpia aber war teuflisch und hinterhältig, seine Anweisung Mario zu erschiessen, war ihm ernst. Die Schüsse gehen nicht daneben. Mario ist tot. Tosca bleibt bei ihrem Liebsten – sie stürzt sich ebenfalls in den Tod. Der Vorhang fällt.

Wenn man eine Tosca-LP hat, die mit den richtigen Belcanto-Sängern besetzt ist, dringen die Worte, die Stimmen, die Emotionen so tief in unsere Seele ein, dass man komplett und nachhaltig ergriffen ist. Wahre Kunst!

 

Und auch die Kunst kann für einen Künstler die andere Hälfte des platonischen Kreises sein. Was ihn dann auch nicht abhält, kompromissreiche Liebesbeziehungen einzugehen. Die Partner werden dann aber immer an zweiter Stelle sein, denn dieser Künstler ist mit der Muse verheiratet. Und die geschaffenen Kunstwerke überdauern auch alle Zeit, sind auch ewiglich. Die Skulptur der Venus im Louvre, Rodin’s Denker, Joyce’s Ullyseus, Ruben’s Frauen, etc.

Entstandene Kunstwerke aus der absoluten Liebe geschaffen, sind für die Vernier ein weiterer Beweis, dass die ultimative Liebe, die uns ver-rückt, absolut existent ist! Und auch, dass das Schicksal die seinen beruft. Man muss nur seinen Lockruf hören. Aber das ist nur möglich, wenn wir mit Geist, Seele und Körper leben. Jeder der folgt, ver-rückt!!! Die Vernier weiss aber auch, dass jedes Individuum sein Mass an Intensität hat. Wenn jemand leicht ver-rückt, kann es für ihn absolut sein.

Deshalb spricht die Vernier: Sollten wir auch die gegenseitige Toleranz wahren! Nur damit ist die volle Entfaltung garantiert!

 

 

Gehe zu: Tosca-Übersicht

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Vivienne Vernier - in Artikel
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Sarkast59 08/04/2009 12:05

Dieses Blog ist Realsatire pur und das auch noch vom Feinsten: Sie kündigt nach der Liebe den Tod an, einer wartet sogar auf seinen Tod und seither warten alle auf den Tod und merken nicht, dass dies der Tod ist, das Blog ist tot, das ist der Witz! Somit hat die Liebe gewonnen, weil der Tod mit ihr nie eintritt, oder? Hab ich das richtig verstanden?

Leser 07/23/2009 13:31

...ich warte gespannt auf den tod...

WORTlieb 07/21/2009 12:18

Die ultimative Liebe - kann ich bestätigen - gibt es wirklich. Meine Frau - zwar eine Xanthippe - aber die beste, die es gibt! So kann ich auch der Vernier nur recht geben und zwar punktgenau.

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

portraitaugeblog3.jpg
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

      vernier_micro.png

 feed-Kopie-1.png  twitter-Kopie-1.png  facebook-Kopie-1.png

Besucherzaehler