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14. August 2009 5 14 /08 /August /2009 14:19
Haben Sie letzte Nacht tief und friedlich, in herrlich prächtigen Träumen schwelgend, geschlafen? Oder waren Sie überhaupt nicht müde; haben stattdessen Morpheus’ Reich gemieden und sind durch die verzauberte Nacht geschwelgt – etwa so wie wir? Macht aber keinen Unterschied, denn der Nachthimmel über Deutschland und der Schweiz war wieder einmal voller Wunder – für alle; egal wo und in welchem Zustand sie waren, ob es gesehen oder verschlafen wurde, ob es gewusst oder vergessen wurde – stattgefunden hat es – eigenmächtig seinem Verlaufe folgend.
Durch die gestrige astronomische Konstellation lag vor allem über Deutschland ein Nebel, namens Perseus, oder die Perseiden-Ströme, der für seine Sternschnuppen bekannt ist und sich selten mit der Erdlaufbahn kreuzt.
Konkret sah man gestern zwischen 23.00 Uhr und 04.00 Uhr unzählige Sternschnuppen am Himmel vorbeiflitzen. Vom Zeitpunkt her glaube ich kaum, dass es zufällig war. Schliesslich fand vor genau 9 Jahren, am 11. August 2000, in Deutschland die letzte Sonnenfinsternis statt, welche unsere Generationen im deutschsprachigen Raum wohl zum letzten Mal miterlebt haben. Ich kenne zwar die mathematische Gleichung des besonderen Spektakels an unserem Himmel noch nicht, weiss trotzdem aber, dass sie perfekt abgestimmt ist. Vielleicht ist genau dieses Nichtkennen, aber trotzdem versicherten, beständigen Wissen in uns, das, was uns zum kleinen, grössenwahnsinnigen und abergläubischen Menschen macht.
Denn auch ich habe bei jeder wahrgenommenen Sternschnuppe euphorisch gewünscht – bis mir kurzfristig die Wünsche ausgegangen sind... ... und ich mich auf das Wahre besonnen habe:
Mein Mann und ich machten, ausgerüstet mit ein paar genussreichen Utensilien, um Mitternacht einen Spaziergang. Einzelne Nachtschwärmer begegneten unserem Weg, die letzten Gäste der Kneipen bestellten von ihrem Gartensitzplatz aus noch lautstark ihren letzten Schlummertrunk und Kolonnen von Taxis führten die Müden nach Hause. Wir aber setzten uns vom Getümmel ab in stille Seitenstrassen und kamen an einem Spielplatz vorbei. Einem grossen und kreativen Tummelplatz, den wir immer wieder nachts für uns beanspruchen. In einer einladenden Schiffsschaukel hoben wir gegen den Himmel ab. Als jedoch der Wellengang seinen Tribut forderte, stürmten wir die baumhohe Burg, kletterten bis zur Spitze hinauf und liessen uns auf dem kleinen Plateau nieder. Bei einem schwachen Kerzenlicht und einem starken Cognac, in den Armen liegend, schauten wir dem romantischen Geschehen zu und flüsterten einander, zwar auch Liebesworte, aber vor allem Witze zu. Die Neustadtromantik. Unser Gespräch vertiefte sich und plötzlich überkam mich die Emotion, dass ich mich soeben wieder in meinen Mann verliebt hatte. Dies geschieht mir ab und an. Aber jedes Mal fühlt es sich wie das erste Mal neu an. Und jedes Mal bin ich über die Intensität überrascht. Das ist fast unerträglich glücklich machend, denn es ist Liebe und Verliebtsein zugleich; es ist wie ein ruhiger Fluss, der beständig fliesst, zugleich aber einen sprudelnden, wilden Bergbach in sich birgt, dessen Quellen nie versiegen.
Was würden aber nun persönliche Wünsche, die man in seiner Phantasie gebärt, anrichten? Den sicheren Blick für unsere Zukunft hat schliesslich niemand, man kann nur Prognosen machen – die Wahrscheinlichkeit, dass dabei Fehler unterlaufen, indem man z.B. einen für sich noch unwichtigen Faktor vergisst, könnte bestehen und in der Zukunft zum Supergau führen. Also, Vorsicht mit Wünschen! Und vor allem, Sehnsüchte sind keine Wünsche! Und auch unser Begehren kann uns in die falsche Richtung lenken.
Ich habe danach bei jeder erspähten Sternschnuppe ‚Danke’ gesagt. Und dann waren es plötzlich zu wenige, die vom Himmel hinab fielen. Trotzdem bin ich für mein jetziges Leben dankbar – und äusserst überrascht – positiv! Zum Glück wurden Wünsche meiner Vergangenheit nicht wahr. Und zum Glück habe ich begriffen, um was es in einer solch romantischen Nacht wirklich geht!
Die Vernier hofft, dass auch ihre Leserschaft mit dem, was das Schicksal beschert, zufrieden ist und trotz allem Mühsal die Gegenwart zu schätzen weiss! In diesem Sinne spricht die Vernier Dank der Relativitätstheorie aus, und hört, wie ihre Leserschaft, aufmerksam bei weiteren Ergebnissen über Raum, Zeit und Chaos zu!

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Uschi1967 09/15/2011 03:06






;oD


mit lieben, verbundenen Grüssen



Vivienne Vernier 09/16/2011 16:00



Die Vernier freut sich und begrüsst herzlichst den kleinen, zynischen Flaschengeist! Das Bildchen ergänzt pictographisch meine Worte und deshalb danke ich Dir, liebe Uschi, für diese kleine
Aufmerksamkeit.



Panta69 07/26/2011 03:04


Super Artikel; super Blog. Tagsüber etwas leer, nachts dafür umso wundertütiger :o)


Marko 08/25/2009 14:20

Ich wollte einfach mal ganz was Allgemeines zu diesem Blog sagen: Die Vernier - wer weiss wer sie ist? - ist eine der coolsten und emotionalsten Frauen die ich nicht kenne. Auch ihr Erotikblog ist very sexy. Bin per Zufall über den Poetenblog von Wortlieb zu dir gestossen, da ich dich sonst nirgends finden konnte. So ein Blog muss aber unbedingt gefördert werden. Und publik gemacht in Blogverzeichnissen und bei Gooooooogle werden. Denk darüber nach! Glaube mir! Schreib öfters! Du bist der Hammer! Ich will ein Kind von Dir! lol

WORTlieb mARTin 08/16/2009 20:24

Ich als Romantiker und Poet betrachte jedenfalls lieber den Sternenhimmel als etwas in den Mond schreiben zu müssen...

Pater99 08/15/2009 17:37

Ich hab eine Sternschnuppe gesehen und mir 100 andere Sternschnuppen gewünscht und promt sind wir im Sternschnuppenregen

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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