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1. September 2009 2 01 /09 /September /2009 05:01

Warum neigen wir während einer Krise dazu, durch unsere Vorstellung die schlimmst anzunehmende, befürchtete Katastrophe real vor Augen zu sehen? Völlig mittellos, mit zerfetzten Kleidern auf der Strasse stehen zu müssen und der Witterung preisgegeben zu sein; ausgeliefert dem milden Wohlwollen unserer Mitmenschen, die wir womöglich zu unseren Glanzzeiten verhöhnt und verschmäht hatten. „So weit wird es eben doch nicht kommen“ flüstert die Stimme des Verstandes. Und an die möchte ich hier anknüpfen.

In einer Runde guter Freunde stellte ich spontan die Frage, was Luxus für jeden Einzelnen bedeute. Die Antworten lösten eine Gänsehaut bei mir aus. Aus einer harmlosen, impulsiv gestellten Frage heraus, kam mein Weltbild wieder einmal ins Wanken – es sind tatsächlich die kleinen Dinge des Lebens, die uns zeigen wer wir sind, die eine Definition, ein Spiegel abgeben, die zur Philosophie werden, die uns entlarven und uns als Schmetterling oder als Schädling in die Natur zurückschicken.

 

Luxus dient der Verwöhnung, der Unterstützung, der Belohnung unserer Sinne. Luxus ist ein Accessoire des Wohlstandes. Es muss beim Genuss von Luxus darauf geachtet werden, dass dessen Zweck nicht verloren geht; denn wenn man den aus den Augen verliert, endet man in der Sackgasse der Völlerei. Und wie die Geschichte uns lehrt, ist jede Kultur, die sich der Völlerei hingegeben hat, dem Untergang geweiht! Luxus darf auf keinen Fall im Rausch des Kaufes enden - auch wenn die ergatterten Gegenstände teuer sind; Fakt bleibt: auch dann wird die Diagnose 'Kaufsüchtig' gestellt (die Umstände ändern die Sachlage nicht).

Der Mensch braucht im Grunde nicht viel um überleben zu können, existent zu sein. Aber das Überflüssige, das eigentlich Nichtnötige, das Supplément dient durch materielle Güter dem Wohl des Geistes; löst Glücksgefühle, Euphorie und Lust auf das Leben aus, schenkt der Existenz Farbe. Eigentlich sollte man Luxus wie Drogen konsumieren, selten und bewusst. Luxus ist eine heimtückische Droge, der man schnell verfallen kann, die in Windeseile Besitz vom Menschen ergreift und ihn, sowie sein Handeln dominiert. Im Übermass genossen, verändert die Droge Luxus den Menschen von Grund auf. Diese Droge holt die niedrigsten Instinkte des Menschen hervor; Gier, Neid, Skrupellosigkeit, Gewaltbereitschaft, etc.

Das überhaupt Schlimmste daran ist aber die Legalität. Die Droge Luxus wird von überzähligen Dealern, namens Geschäfte, Boutiquen, Kaufhäuser, etc. angeboten. Der Werbung für diese Droge Luxus gibt es kein Entkommen. Anstatt Prävention zu ergreifen, wird diese äusserst bedrohliche Droge Luxus auch noch von Staaten gefördert, und sinken die Verkaufszahlen, müssen die Medien Reanimierungsversuche starten. Diese erfolgen meist in Form von Panik auslösenden Statistiken, die mittels Pfeilen in den Keller sinken.

Süchtige sind schnell erkennbar. Meist lümmeln sie erfüllt von Langeweile umher, wenn der Bancomat ihnen das Geld verweigert. Nach einem intensiven und langen  Abwägen gehen die Süchtigen trotzdem auf Visite zu ihren Dealern; das schlechte Gewissen besänftigen die Süchtigen mit den Worten „ich werde nur schauen“. Meist bleibt es aber nicht dabei, ihre Notfallmedizin in Krisen, die Visa- oder Eurocard wird ihnen die nächste Dosis von Endorphinen und Serotoninausschüttungen verschaffen...

 

Die Vernier möchte Ihnen einige ihrer eigenen Antworten auf die den Freunden gestellte Frage nicht vorenthalten; im nächsten Blogbeitrag! Drum hören Sie zu, wenn die Vernier spricht!

 

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Pilzer 09/16/2009 11:20

LSD - gute Schlussfolgerung: Luxus, Stil und Desillusion. Genau in dieser Reihenfolge erlebe ich es eben auch immer wieder... Zumindest dann, wenn ich anschliessend drei bis sieben Tage frei habe...

dsl 09/01/2009 23:57

ich biin süüchtiiig!!! gib mir visaaaaa!

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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