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2. September 2009 3 02 /09 /September /2009 17:43
Luxus bedeutet für die Vernier:
Eine Auswahl treffen zu dürfen: Im Kühlschrank verschiedene Fetakäse für den griechischen Salat zur Verfügung zu haben. Die Minibar zu Hause beinhaltet das ganze Angebot der Meukow-Cognac-Linie. Unter der Dusche nach einer Seife greifen zu können, deren Duft Vernier’s Tageslaune entspricht. Mehrmals monatlich die Erfüllung von Magazin- und Zeitschriftenabo’s im Briefkasten vorzufinden. Beim Hören des Tonträgers ‚Tosca’ die Sopranistin bestimmen zu können (nicht nur die Callas war gut). Den Goldfischen beim Tanzen zusehen, wenn ihnen allen die, von der Plattenlegerin Vernier, abgespielte Musik gefällt.
Von einem Lieblingsbuch verschiedene Ausgaben im Bücherregal zu wissen (unterschiedliche Schriftarten, unterschiedliches Papier, unterschiedliche Gerüche, etc.). Auf dem gepflegten Poetenblog Beiträge lesen zu können, um sodann mit einem vollen, Gedanken umschwirrten Kopf in die meditative Badewanne zu steigen. Das TV-Programm auch auf ausländischen Sendern zu verstehen. Dank der eigenen Wissbegierde und dem vorhanden sein des eigenen Geschmackes nicht auf Bestsellerlisten, Trends angewiesen zu sein. Ja, überhaupt zu Wissen, dass man einen individuellen Geschmack, Stil besitzt, der aus einer kultivierten Eleganz entspringt. Bei der Bestellung eines Cafés ein Glas Wasser dazu serviert zu bekommen.
Eine Kerze auch bei Tageslicht anzünden zu können – und die Wirkung von einer romantischen, inspirativen Atmosphäre zu sehen. Nicht zu Wissen, welcher Wochentag heute ist. Die Strassenbahn sausen zu lassen, um gemütlich den zurückzulegenden Weg entlang zu spazieren, um vielleicht mal eine Blume zu pflücken, Hasselnüsse, Eicheln aufzuheben und die Beute in der Wohnung zu dekorativen Zwecken auszustellen. Von der Rolle des Toilettenpapiers mehr abreissen zu können als eigentlich gebraucht – dabei auch zu wissen, nach welcher Art man Toilettenpapier benutzt; amerikanisch oder deutsch.
Das Spülbecken frei von schmutzigem Geschirr zu wissen. In einem herrlich frischbezogenen, duftenden Bett den friedlichen Schlaf zu finden. Von einem angenehmen Weckton aus dem Schlaf gerissen zu werden – noch besser: mit einem Kuss seines Liebsten. Beim Kochen eine Vielfalt an Gewürzen griffbereit zu haben, um der zubereiteten Speise verschiedene Nuancen verleihen zu können. Für einen männlichen Verwandten ein Geburtstagsgeschenk zu finden, welches ihn emotional wahrhaft berührt und nicht einem praktischen Zweck zu Grunde liegt.
In einer Grossstadt eine Wohnung zu mieten, die im Mietvertrag einen Garten einschliesst. Ein Fahrrad zu besitzen, bei welchem Rück- und Vorderlicht stets voll funktionsfähig sind. Als noch junge Frau mit einem Caddy einkaufen gehen zu können, anstatt die schweren Einkaufstüten tragen zu müssen.
Die Kraft des Geistes gegen das Fleisch siegen zu sehen. Mehrere unvollständige Geschirre zu besitzen, die sich aber vollkommen ergänzen. In der Wohnung genügend Raum für Pflanzen zu haben. Von seinen Freunden handschriftliche Briefe anstelle von E-Mails zu bekommen. Sich zu offenbaren, aber trotzdem anonym zu bleiben. Freunde nicht im Facebook suchen zu müssen. Einen Hausarzt zu konsultieren, der seine Zeit nicht mit Aufräumen des Sprechzimmers, sondern mit seinen Patienten nutzt. Auf die neue, deutsche Rechtschreibung verzichten zu können. Sich seiner Schwächen bewusst zu sein und sie zu offenbaren. Auch in der Demut das Positive zu sehen. Die Spielfreude aus der Kindheit bewahrt zu haben. Keine Urlaubsphotographien zu besitzen, weil die Erinnerung daran stärker ist. Trotzdem Tausende an Photographien zu haben, aber Schnappschüsse und Stimmungen, die den Alltag und das wahre Leben der Vernier zeigen. Die Phantasie einsetzen zu können, um Gegenstände zweckentfremdet zu verwenden (anstelle des Ikea-Bücherregals Weinholzkisten verwenden). Bei akuter Überforderung beim Meistern des Lebens, das Tor zu einer Phantasie in den Händen zu haben, die nach einem intensiven Besuch die Vernier gekräftigt und distanziert zurückschickt.

Die Vernier spricht: Eigentlich ist durch diese kurze Aufzählung klar, dass Luxus all das umfasst, was uns Freude und Zufriedenheit schenkt, all das, was uns zu einem freiwilligen Anpacken bringt – und dennoch Spass macht. Wenn wir uns dem Genuss von Luxus hingeben, wandelt sich die Zeit, die Uhr stellt nicht weiter eine Stoppuhr dar, die unsere Leistungen wettkampfartig misst, sondern die Uhr löst sich langsam fliessend, wie in einem Dali-Bild, auf und verliert die Zeit.

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Ich bin Luxus 09/04/2009 11:10

Pardon, ich meinte natürlich Sie (nicht du)

Ich bin Luxus! 09/04/2009 11:05

Da du ja echt zu wissen scheinst, was wahrer Luxus ist, frage ich mich, ob man sich selbst als Luxus ansehen kann. Oder siehst du deine Art zu denken nicht als Luxus an, sondern als normal? Das wäre falsch. Alles was man als normal anschaut, ist insgeheim Luxus, auch DU!

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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