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15. September 2009 2 15 /09 /September /2009 15:01

In den Medien werden heutzutage so viele Themen erläutert, der Informationsfluss ist enorm. Viele Denker und deren Theorien können wir bequem mittels Radio und Television direkt in unserem Wohnzimmer empfangen. Die grosse Gefahr dabei ist aber, in dieser Flut unterzugehen. Denn das erfolgt schleichend und unbemerkt  schädlich immer dann, wenn wir unsere Gedanken um Bagatellen kreisen lassen und wir die Prioritäten aus den Augen verlieren.

Ich verstehe, dass die Nachrichtenmeldungen über Stellenstreichungen uns bangen lassen, aber trotzdem sollten wir den Weitblick nicht verlieren und uns auf den Begriff ‚Arbeit’ besinnen.

Hannah Arendt schrieb einmal, dass Arbeit dazu dienen sollte, uns geistig weiter zu bringen. Arbeiten, die verrichtet werden müssen, wie z.B. den Haushalt besorgen, Arbeit, die zum notwendigen Erhalt unseres Lebens dient, hat nichts mit der eigentlichen Bedeutung des Wortes ‚Arbeit’ zu tun haben.

Und ich stimme ihr vollkommen zu. Bei der Tätigkeit staubsaugen kann ich nicht denken. Der Lärm verhindert jeden noch so kreativen Gedanken und die Monotonie dabei ist nur ermüdend – gut, ich habe meinen Staubsauger ‚PacMan’ getauft, und jeder Krümmel, jede Staubflocke die ‚PacMan’ verschlingt, zählt in meiner Rechnung als Punkt, und jeder Punkt hat den Wert von 10 Cent – der Gewinn wird dann bei mir sofort in einen Blumenstrauss investiert. Das ist aber sicherlich keine Arbeit, sondern eben eine Notwendigkeit, die erledigt werden muss und um die zu verrichten ich mich selbst überliste.

Auch wenn ich täglich zu meiner Arbeitsstelle pendle, hat diese nichts mit dem Begriff ‚Arbeit’ zu tun. Ich folge auch dort einer Routine, die das Ziel verfolgt meinen gnädigen Arbeitgeber noch reicher zu machen – dies nenne ich humane und moderne Sklaverei. Mein Gehalt nämlich ist in einem Arbeitstag eingenommen – und trotzdem verrichte ich eine Dienstleistung nach der anderen, 30 Tage lang des auszubezahlenden Geldes wegen. Extrem ausgedrückt werde ich in der Häufigkeit der Wiederholungen dieser 30 Tage zu einem Trottel mutieren, mein Gehirn wird einseitig trainiert und verliert dabei sein Potential für noblere Gedankengänge.

 

Die jetzige Wirtschaftskrise ist doch das stärkste Zeichen dafür, dass es an der Zeit ist, umzudenken. Wir haben effiziente Maschinen erfunden, die das, was wir brauchen auch herstellen. Ressourcen sind dadurch frei geworden. Doch warum denkt niemand in den Regierungen daran, diese geistigen Ressourcen neu einzusetzen?

Das alte Europa hat so viele Neustrukturierungen mitgemacht; nach dem Wiener Kongress, nach dem Versailler Vertrag wurde neuen Idealen nachgestrebt und ein Aufschwung begann.

Wussten Sie, dass derzeit ein zwei Jahre dauerndes, deutsches Projekt in einem 200 Seelendorf in Südafrika läuft, das, wenn es gelingt, durchschlagend revolutionär ist?! Jeder Einwohner bekommt jeden Monat 200 Euro für seinen Grundbedarf geschenkt. Man beobachtet wie sich die Gesellschaft dort mit dieser Voraussetzung verändert. Und es gibt jetzt bereits bemerkenswerte Änderungen: Das Schulgeld kann bezahlt werden und die Schulen sind voll. Fast jeder der Erwachsenen entdeckt ein Talent und setzt es um. Wo früher eine ausgestorbene und resigniert tote Stimmung herrschte, rattern nun die Nähmaschinen, wird eine Infrastruktur gebaut und der Geist der Hoffnung schwebt in der Luft.

Was, wenn dieses Modell ein wenig mutiert auch bei uns zur Anwendung kommt? Wenn die berüchtigten G20-Staaten sich darauf einigen würden, dass jedes Land seinen Vorzügen und seiner Mentalität entsprechend der Welt ihre Dienste anböte – und so die wahre Globalisierung entstünde?

Wenn auch wir jeden Monat unseren Grundbedarf gesichert hätten, und dann unserer Berufung nachgehen könnten. Gut, die, welchen der Grundbedarf nicht ausreicht, die könnten weiterhin auf gängige Art ihren Zustupf verdienen – doch vielleicht mit einer Wertumstellung: Stellen, die wir wirklich brauchen, z.B. Müllmänner, Handwerker, Zugführer, etc., die sollten dann das Gehalt eines jetzigen Managers ausbezahlt bekommen – und im Gegenzug die heute hochbezahlten Jobs müssten in ihrer Lohnauszahlung gekürzt werden – massiv. Denn jeder kann Verantwortung tragen, wir sind selbständig erzogen worden, da braucht es keine Gouvernante in Form eines CEO’s, der jeden Monat nebst seinem Gehalt auch noch Spesen und Bonis einkassiert, sein

Wieviele werden dann ein längst verloren geglaubtes Talent wiederentdecken. Ein neuer Aufschwung hätte zur Folge, dass z.B. Herr Meier eine neue umweltschützende Methode zur Erhaltung der Gletscher findet, Frau Kunz würde in der musischen Allee ihre Dienste für Karikaturzeichnungen anbieten, Herr Graber würde auf den Spuren der Inka die neue Gehirnchirurgie einläuten, Herr X und Frau Y würden Z erreichen.

Und Sie, welche wortwahre Arbeit würden Sie verrichten? fragt die Vernier nachdenklich.

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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