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12. Mai 2013 7 12 /05 /Mai /2013 19:01

nebelbahnhof.jpgDer Bahnhof rollt den Zug ein, die Weichen sind züngelnd gestellt, das Gleis gleich der vollen Wanne; heissend heiss und seifig bereit, gelegen abseits des Hungers von satten Maulwürfen und reissenden Rissen. Durch Gliederketten saust ein tonloses 'pft' hinab, langgezogene Nebelschwaden mitziehend, um über die Schanze des kleinen Zehs hinaus zu fliegen. Karge Einfachheit fängt die ohnmächtige Fülle auf. Reizentzug des Reisezuges an der Haltestelle des Abstellgleises. Die Lokomotive verpufft den letzen Dampf, löst den menschlichen Gestank im Knoten seiner kleinmaschigen Eitelkeit. Hektisches Trappelvorangeschreite der  'must have'-Etikette und der klebrigen Informationen verklingt endlich in der Ferne. Vom Lärm verlassen und übrig, bleibt ein schlichter Reisekoffer, dessen Inhalt mit drei Schlössern versehen und gesichert dasteht. Der erste Künstler, ein Maler, flattert spatzig in diesen nun stillen Bahnhofsraum ein. Sein Brodem das Stilleben, sein Odem das Licht und dessen Einfälle. Ein Mann in Cordanzug stellt sich an eine Säule, monologisiert shakespearisch und hängt sich währenddessen seine Gitarre um. Zupfende Akkorde beginnen zu zeichnen; erzählen von der Tragik eines abgebrochenen Zündhölzchens. Fencheltee bächelt über Kehlen. Blicke fächeln zu den grauen Schatten in schwarz-weisser Photographie. Objekte als Erzählung allzu menschlicher Pfade, in krustiger Starre gefüllter Tränenlache. Aus der zentralen Uhr, durch die zwei Finger hindurch, stösst eine Eule erst einen kurzen, danach einen langen Pfiff aus. Der Zug fährt.

                                                   

nachtzug 

Die Vernier spricht:

"Des Künstlers Blick springt über Weiten hinein in die Distanz luftiger Höhen. So manche Bahnfahrt rattert mit zahnfletschenden Rädern hintergründig, raspelt Alltag im rasenden Stillstand ab, meisselt in starre Gewohnheit schräge Marotten - Einladung in die wortlose Freiheit des Sehens." 

 

 

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Suzi Karo 06/17/2013 14:12

Wunderschön! Kompliment! Grossartig!

Vivienne Vernier 07/11/2013 18:34



Dankeschön!



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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