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26. September 2012 3 26 /09 /September /2012 23:27

nomoreiloveyous.jpgIm Jetzt bin ich gerne eine attraktive Frau. Das war aber nicht immer so. Die Ahnfrauen meiner Familie galten als Schönheiten; für sie war dies eine natürliche Selbstverständlichkeit, ebenso wie jedes Lächeln, welches von ihnen als ein an sie gerichtetes Kompliment empfunden wurde. Ihre Nonchalance war un- erschütterlich. Unter ihnen aufzuwachsen, hieß für mich, eine Erziehung mit vielen weiblich-verwandten Einflüssen zu genießen. Intensiv intern, niemals extern. Da die Ähnlichkeit unter uns von der Urgroßmutter über die Tanten bis hin zu mir eine Gerade ist, war niemandem so richtig klar, wessen Tochter ich eigentlich sei; schließlich hatte jede ein Zimmer in ihrem Haushalt für mich eingerichtet. Meiner Großmutter war jegliche Haltung wichtig; so wurde ich mit fünf Jahren zum Ballettunterricht geschickt. Meiner Tante war die Reinheit der Haut wichtig; so verbrachten wir Nachmittage in der Schönheitsklink mit Kosmetik und hautstraffenden Massagen. Es kam nie zu einem Pickel - das wäre skandalös gewesen - aber auch die Poren mussten gereinigt werden. Eine andere Tante lebte ihre Passion in der Mode aus; so stand ich stundenlang auf einem Podest, um die Starre für einen Saum zu üben und mich von Nadeln piesacken zu lassen. - Grimassen zu ziehen war dabei untersagt! Die Jet-Setting-Tante erlaubte das Tragen von bein- und armfreier Kleidung nur dann, wenn die entsprechenden Muskeln fein definiert waren. So stemmten wir in ihrem Fitnessraum feminine Hanteln und Gewichte und sprangen mit schwingenden Seilen durch das Untergeschoss, um genug erhitzt ihre Sauna und ihr Dampfbad aufzusuchen. Das Augenmerk meiner Mutter lag bei meinem Haar. Ihre verabreichten Frisuren ließen mich fast jeden Morgen fühlen, wie schmerzhaft das Skalpieren im Wilden Westen gewesen sein muss... Eine Gewohnheit der Frauen meiner Familie war ebenfalls, die Toilette auch am Morgen genauso exakt zu richten wie abends. Jede von ihnen verlässt wohl heute noch nicht die Dusche, ohne vorher eine gründliche und langandauernde Kaltwasserbrause gehabt zu haben. Schließlich verband und verbindet sie alle  das Motto: 'Wahre Schönheit muss leiden'.

Die Vernier spricht:
„Während eines Spazierganges im Wald lege ich heute noch gerne eine Rast ein. Dann suche ich mir einen Stock und ritze mit dem Messer willkürliche Muster in die Rinde ein. Um Schönheit als Handwerk zu betreiben, bedingt es zwar derselben Aufmerksamkeit – es findet bloß ein Austausch von Objekt zu Subjekt statt. Doch besteht zwischen Kunsthandwerk und Kunst ein beträchtlicher Unterschied. Dieser besteht soeben auch zwischen zurechtgemachter und natürlicher Schönheit.“


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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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