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18. Januar 2010 1 18 /01 /Januar /2010 21:21

sternennacht rhone

Der Akt des Lesens beginnt bei der Auslese. Dieses Credo möchte ich den Sinnen als Feinkost servieren, jede Nuance davon sanft zerfliessen sehen und mich aus dieser destillierten Essenz verführen und leiten lassen.

Denn ein jedes geschriebene Wort, welches wir lesen, verändert unser Bewusstsein. Schärft unsere Sinne. Durchdringt effizient unseren Geist und manifestiert sich in unserer Persönlichkeit. Leitet unser Interesse an bisher unentdeckten Gefilde, wie einst Sterne die Seefahrer durch nebelverhangene Gewässer führten. Prägt unser Geschmacksempfinden und setzt dadurch die persönliche Note unseres Stils unwiderruflich in unsere Umgangsformen fest.

Lesen vermittelt Wissen. Und was einst ein weiser Mann namens Francis Bacon als geflügeltes Wort sprach; bleibt Wahrheit: Wissen ist Macht. Aber wie zahlreiche Despoten aus der Geschichte aufzeigen, ist Macht zugleich ein Höhenflug und ein Niedergang. Wenn das geschriebene Wort vom Leser eine falsche Interpretation findet, die Botschaft zwischen den Zeilen nicht beachtet wird oder unverständlich bleibt, kann sich Wissen nicht nur vernichtend auswirken, sondern beschwört  den endgültigen Niedergang hervor. Der ursprüngliche Zweck von Wissen war, ist und bleibt aber die Befreiung des Geistes von seinen Dämonen; den niederen Instinkten.

Das Wort Philosophie übersetzt, bedeutet Phil für die Liebe und Sophie für das Wissen, ergo ist die Philosophie schlicht die Liebe zum Wissen. Was zugleich auch ein Anführungsbeispiel dafür ist, wie die Bedeutung eines einzelnen Wortes zahlreiche Ebenen in sich birgt und eine unergründliche Tiefe vorweisen kann, in welche bisher noch kein Mensch allein hinab bis zum Grund dringen konnte.

Der Mensch und die Sprache bergen in sich eine Ewigkeit und bleiben miteinander verbunden. Geheimnisvoll und nicht nachvollziehbar. Über den Anfang können, müssen und dürfen wir nichts wissen – umso mehr jedoch sollen wir uns mit dem Wiederanfang befassen. Und der bietet Variationen, von denen keine der anderen vollkommen gleicht.

So wie der Wiederanfang existiert auch der Untergang. So wie zahlreiche Völker untergegangen sind, verschwanden auch die Sprachen – wer spricht heute noch Sanskrit, wer kann das Niebelungenlied in seiner Originalfassung aus dem Althochdeutschen lesen? Die Geschwindigkeit der Zeit hinterlässt seine Opfer. Das Tempo nimmt rasant zu. Wir führen einen Wettlauf gegen die Zeit, den wir garantiert verlieren werden. Heutzutage muss alles schnell und direkt, am Besten noch unverblümt, ausgesprochen und gesagt werden. Ich empfinde dies als einen Affront gegenüber unserer Sprache die auf diese Weise nicht mehr gekostet, genossen und ausgeschöpft wird. Jeder, der sein Vokabular kürzt, sich eingedeutschten Ausdrücken bedient, entzieht sich seiner Verantwortung gegenüber einem alten Kulturgut: der Sprache. So werden dem Untergang die besten Karten zugespielt. Doch haben wir noch einen Trumpf im Ärmel: Hirten und Hüter...

Die Hüter der Sprache sind unsere Schriftsteller, Lektoren, Verlage und Medien. Die Hirten sind wir Leser.

Die Vernier spricht: "Mit jedem Kauf eines Buches unterstützen Sie das Rad der Sprache. Seien Sie dabei anspruchsvoll und lassen Sie nur die Besten und erlesensten Schriften in Ihr Bewusstsein dringen."

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Published by Vivienne Vernier - in Buch
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Kommentare

Ändu 09/02/2011 00:33



In der Schweizer Hauptstadt gab es mal ein Buchantiquariat mit Bar. Draussen an der Fassade stand dieser Sinnspruch ebenfalls "Der Akt des Lesens beginnt bei der Auslese" Wunderbar - auch Dein
Artikel!



Vivienne Vernier 09/05/2011 04:21



da spricht nur die geteilte Bibliophilie



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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