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18. September 2012 2 18 /09 /September /2012 17:53

Mit dezent erdfarbenem Anzug und breitem Lächeln tänzelt sich der Herbst tapsend, summend und flatternd in die Breitengrade der Achse. Bald wird er den Fächer der Schattierungen über den Himmel wiegen. Auch wird er den Pinsel in Tau tränken, um seine Nebelflecken wie Aquarelle in sich zerfliessen zu lassen. Er weiss seinem Modell, der Architektur, zu schmeicheln oder aber auch, sie in ihrer Grausamkeit zu entlarven.

Er ist ein Mentor der schönen Künste, so wie er einst auch jener Epikurs war. Zu Saisonbeginn sitzt er noch inkognito in den Logen der Bühnenkunsthäusern; er kultiviert auch seine eigenen Gepflogenheiten – der Herbst kommt gerne zwei Tage zu spät. Wenn hingegen seine Garderobe abgestimmt ist und stimmig stimmt, dann fallen auch die prallen Rockschösse in angemessenen Rhythmen nieder. Schwingt er seinen Spazierstock, so flaniert er seinem Ausflug entgegen und schürzt die Lippen zu einem sanften Pfeiffen.


Herbstflaneur

 

Der Herbst ist ein aufgeschlossenes und empfindsames Gemüt, das gerne zuhört. Er liebt Geschichten, aber auch kleine Bonmots erfreuen ihn. Ebenso gerne beobachtet er in heiterer Stille den gefüllten Raum. Doch wenn es ihn zu einer Rast drängt, setzt er sich hin und beginnt jedem offenen Ohr aus seiner Fülle zu erzählen. Seine Redekunst ist zeitlose Vorstellungskraft. Auch Sokrates, Heron von Alexandria und Ovid lauschen seinen singenden Klängen, seinem klingenden Singen nach. Die besten Geschichten weiss der Herbst über seine Muse - die See - zu erzählen. Er beschreibt die Verzweigungen und Verwurzelungen ihrer Symbiose in lebendigen Fragilitäten, sodass jede Kostbarkeit perlt und spriesst und jeder Spross, jede Sprosse aus ihrer Vielfältigkeit nieselt – es regnet lebendiges Pur.

Dieser Regenschauer spült ab und weg. Der Glanz einer Kupferkuppel widersteht der Witterung nicht. Metall ist des Herbstes Reflektor und der Erde Nabelschnur. Patina ist gestillte Sehnsucht. Dem Unachtsamen entgeht, dass der Herbst bei seiner Ankunft das rostige Gartentor längst verschlossen hat. Schelmische Natur neckt und stupst das sinnende Gemüt an, geleitet es auf Begehr zur Patina-Schönheit hin. Eine Erfüllung in Blau-Grünem-Schimmer; Edelrost eben.

Die Vernier spricht:
„Im Wesen des Herbstes finden wir das Seiende vor. Denkmäler werden von Phantasie und Nebel geweckt. Substanzielle Gedanken treten stofflich in Erscheinung, senden Betonungen und Akzente in die vom blendend-blenderischen Sommer verborgenen Winkel.“

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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