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22. Januar 2013 2 22 /01 /Januar /2013 17:45

Es beginnt mit einem Türklopfen. Unsere erste Handlung. Darauf folgt die Stille als Herausforderung und Lockung für aufmerksames Lauschen und Achten. Die Konzentration verlangt pure Sinne. Und wird mit einer  Interaktion belohnt. Die Türe öffnet sich. Es strahlt die Irritation wie eine Sonne. Sie blitzt, blendet, sticht punktiert zu. Uns überschüttet Überraschung überschwemmend. Voller Sinne, die nun gierig saugen, denn sie dürsteten im Prozess des Wartens; so trocken die Wüste der Kontrolle.

butler4-Kopie-2In versierter Projektion auf die Tür erleben wir einen zeitverzögerten Moment im Singular des Seins. Das Räuspern der Akzeptanz, die nun im geöffneten Portal steht und auf unsere Wahrnehmung wartet, fokusiert den Zweck des Besuches. Wir haben einen Termin im Kabinett der Wunder. Wir folgen einer Einladung von Frau Talent und von Herrn Eigenschaft.

Die Aktzeptanz würde uns anstelle der Toleranz nun in den Salon der Zufriedenheit begleiten. Die Toleranz ruhe sich aus, denn sie sei zu zwanghaft gewesen, teilt man uns mit, während wir in die Eingangshalle treten.

Nachdem wir unsere Garderoben abgelegt haben, werden wir durch einen Korridor des Wohlbehagens geführt. Steigen Treppen der Atmosphäre hoch. Oben, am Treppenkopf fühlen wir uns in der gefundenen Ordnung behaglich. Dann passieren wir das Musikzimmer; die Obhut spielt am Piano eine  Melodie von Sicherheit. Die Töne schiessen unsere Ängste in die Augen, sie kullern in salzigen Strömen über unsere Wangen, werden endlich ausgestossen und schenken uns freien Raum. Platz für Leichtigkeit.
 
Noch während wir einen tiefen Atemzug holen, setzt die Veränderung ein. Ein Luftgemisch vermengt sich in den Lungenflügeln, schwappt in rauschendes Blut über, aktiviert Nerven und steigt in uns empor. Das Aroma erweitert sich, lässt uns nach Nuancen schnuppern. Unserem Weg entgegen lockt der Duft. Intensiviert sich, bis wir zu dessen Quelle aufschliessen; das Gewächshaus des Urvertrauens ist weit geöffnet und offenbart in uns sein friedvolles Wesen. Die Schönheit verweilt musisch auf einem Grashügel, abgelegte Masken liegen verstreut umher. Auch wir halten inne und geniessen diesen Anblick, der sich uns darbietet - die Schönheit in ihrer Einfachheit - schlicht und verwoben mit gesunder Erde.

longhi.JPGAls wir an der angelehnten Türe zur Bibliothek vorbeikommen, wird diese schwungvoll von der Absurdität aufgestossen. Sie grüsst Hut hebend und bittet uns zur Rast hinein. Im Labor des Wissens pustet das Spiel Seifenblasen aus Gedanken. Die Phantasie formt und färbt das schwebende Gut. Die Flamme der Achtung verteilt es in wärmenden Strömungen oder lässt manchmal auch  Harmonien in den platzenden Utopien erklingen.
 
Im Aufsteigen der Wendel-treppe zur Ehrlichkeit pfropfen wir uns mit einem kreisenden Ziehen als Korkzapfen höher. Hinaus, auf die Dachterrasse. Dort erwarten uns die Himmels-gucker; Verstehen und Erkennen.


Sie hätten von unserem Besuch vernommen und würden uns sehr gerne einige Bildli zeigen. Ihre Zeichnungsmappen sind gefüllt mit Fragen und ihre Skizzen sind bildliche Antworten. Im Wiederfinden bittet uns nun die Akzeptanz in den Salon der Zufriedenheit.
Frau Talent und Herr Eigenschaft möchten nun mit uns gemeinsam Tee und Cheesecake geniessen - oder landschaftlich ausgedrückt: Das Brot teilen.

Die Vernier spricht:
"Die Kunst, ein intimes Gespräch zu führen, liegt in der Wahrung der Intimität. Deshalb schweige ich nun über die Abenteuer, die ich im Kabinett der Wunder erleben darf. Jedoch auch Sie stehen auf der Gästeliste jenes verzückten Ortes, wissen Sie?!"


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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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