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19. August 2010 4 19 /08 /August /2010 21:12

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Wenn mein Blick zum Fenster hinaus schweift, sehe ich eine mächtige, vornehme und alte Pappel. Dieser Baum überragt in seiner Höhe jedes umliegende Hausdach, schützt mit seinen ausholenden Ästen die zu ihm gerichteten Fenster vor neugierigen Blicken und ist für Vögel ein beliebter Landeplatz für die kleine Flugpause zwischendurch. Vorallem aber steht dieser Baum immer da, fängt jeden Blick aus dem Fenster auf, wirft dann jede meiner Launen auf mich zurück und bleibt schlicht unerschütterlich. Bei windigem Wetter aber, blüht er auf, raschelt dann mit seinen Blättern, lässt die Böen aufheulen und dehnt sein holziges Geäst geschmeidig in alle Richtungen – ohne auch nur ein bisschen einzubrechen.

Manchmal beneide ich diese Pappel, um ihrer stillen Ruhe Willen. Manchmal denke ich 'ach Du, was weisst Du schon von den Sorgen des Alltages'. Manchmal habe ich Angst, um diese Pappel, die so schutzlos der Willkür und der Säge der Hausbesitzer ausgeliefert ist. Manchmal geniesse ich einfach ihr dargebotenes Schauspiel, ihren Windtanz und manchmal tröstet sie mich. Denn ihr Dasein hat sicherlich schon vielen Betrachtern Hoffnung geschenkt. Gezeigt, dass die Zeit zwar Kerben oder Jahresringe hinterlassen kann, diese jedoch die Pappel längst nicht gefällt haben. Und als nun einzig übrig gebliebener Baum in einem einstmals bewaldeten Stadtteil ist diese Pappel zugleich ein einzigartiges Symbol der Kraft des Widerstandes zwischen all diesen modernen, gleichgebauten Wohnungen. Vielleicht ist in den Schwingungen der Zweige dieser Pappel auch ein leichter Hohn dabei; in Zeiten der grossen, viel gepriesenen menschlichen Individualität leben diese Geschöpfe in Hausungen, welche sich im Grundriss voneinander überhaupt nicht unterscheiden, aber die Illusion dafür geben. Wo hingegen jeder einzelne Baum die pure Individualität ist. Und dies jedes Jahr deutlich durch sein variiertes Laubkleid zeigt. Meine Pappel ist voller Leben, überhaupt nicht schnelllebig und gestresst, sondern ruhig und gelassen mit einem Urvertrauen zu der Natur.

 

Die Vernier spricht:

„Vertrauen Sie nicht nur Ihrem Ratio – Lassen Sie sich in die unwiderrufliche Wahrheit der Emotio fallen – Sie werden sehen, dass die anfängliche Unsicherheit, basierend auf Wissen und nicht auf Beweisen, schnell fortfliegt und auch nicht wiederkommt.“

 

 

Für den dazu passenden Song klicken Sie hier: "Zwischen Glühbirnen & Schund"

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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