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10. Februar 2013 7 10 /02 /Februar /2013 02:21

margotfonteyn.JPGBallett ist pure Geistes- und Körperdisziplin, die in geführter Kraft zum Ausdruck kommt. Der Wille des Tänzers lockt Muskeln und Sehnen über eine Grenze der herkömmlichen Anspannungsfähigkeit hinaus. Bestenfalls in eine Transzendenz. Wenn der Körper zur Feder des Komponisten wird, deren Spitze seine Noten mit der triefenden Tinte ins Papier kritzelt. Wenn sein Instrumentenspiel die Herz-schläge zu gleitenden Impulsen bestimmt, wird der Taktstock zum bestimmenden Puls. Wenn Ohren sehen und Augen im wolkigen Dunst versinken, streicheln Glieder zart wie eine Fingerkuppe über den Rhythmus der Melodie.


Die Stärke der Kunst im Ballett  ist diejenige der Aufrechterhaltung einer darstellenden Wahrheit in einer puren Illusion. So löst sich die Schwerkraft parallel zur steigenden Leichtigkeit auf. Das Publikum sieht im hebenden Schweben den schweifenden Naturgesetzen nach. Durch das Auge erwacht die träumende Phantasie, wird in der schlichten Eleganz zur Märchenerzählung der kindlichen Möglichkeit. Einzig noch zuckt die Realität auf, wenn Spitzenschuhe die Bretter der Bühne berühren. Die Komposition des Tanzes und Schauspiels mit der Musik erschliesst sich und mündet im Delta des Balletts, füllt des Geniessers See und es strömen die Sinne durch des Unsichtbaren Lob ins Meer der Grosskunst.

 

 

Mit zu grosser Ernsthaftigkeit in dieser Kunst zu versinken, ist jedoch nicht förderlich für den ausgelassenen Applaus. Genausowenig, wie zuviel Kitsch in der Kunst. Die Balance zwischen dem hohen Humor, dem hohen Kitsch und der hohen Kunst findet hierbei in parodierter, frivoler und perfektionierter Bewegung die "Company Les Ballets Trockadero de Monte Carlo". Wer Humor und Qualität im Ballett sucht, dem sei dieses Ballettensemble ans Herz gelegt, welches von männlichen, klassisch ausgebildeten Tänzern gegründet wurde. Sie übernehmen den Part der Frauen und tanzen im ‚Tutu!’, wodurch "Trockadero" das Format einer Travestieshow verliehen wird. Das Konzept des Ensembles hat den unterhaltsamen und unterhaltenden Gedanken der hohen Kunst des Balletts im ursprünglichen Sinne weiter ausgebaut. Manchmal ganz offensichtlich, manchmal dezent, manchmal weigert sich eine ‚Ballerina’ von der Bühne zu gehen, manchmal will eine andere nicht auf ihren Kaugummi verzichten oder auf ihre Brille, eine weitere zickt unverholen rum. Der Kampf um den zentralen Platz der Primaballerina kann also unter besten Umständen beginnen...

 

Die Vernier spricht:

"Keep on Trockin' im klassischen Ballett."

 

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Tanzspiegel 06/06/2013 16:38


Wow du schreibst ja sehr schön. Ich tanze Ballett und deine Beschreibung ist die andere Seite von Ballett. Die Seite, die nicht alle sehen können. Wenn ich vor dem Tanzpiegel anschaue, sehe ich nur Kunst
Liebe Grüße


Sabine H.

Vivienne Vernier 06/17/2013 14:09



Danke für Deine Kommentare. Es roch jedoch zu sehr nach Spam und da dieser auf meinem Blog eher stinkt, habe ich alle ausser diesen Kommentar von Dir wieder gelöscht.


Liebe Grüsse,



Dave 02/13/2013 09:25


Hallo, 


 


ich bin ein großer Freund von Tanz und der Tanzkunst, ich finde ihren Text sehr schön und zusammenfassend. Ich habe derletztens eine Kombination aus Ballet und Butoh gesehen und muss sagen das
war genau das was sie hier beschrieben. 


 


Viele Grüße Dave

Vivienne Vernier 04/02/2013 20:39



Hallo Dave


Ich freue mich sehr über Ihren Kommentar und den Zuspruch eines Freundes der Tanzkunst.


Die Welt des Balletts ist vielfältig und gross. Und man so viele verschiedene Vorstellungen davon finden. Ein Highlight sind mir z.B. die Choreographien von John Cyril Cranko...


Liebe Grüsse Vivienne



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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