Ich erklomm schwungvoll die Treppen, hielt mich am Geländer fest, um die ovale Kontur des Treppenhauses in mir aufzunehmen und kam dem obersten Geschoss, in dem sich meine Wohnung befand, stufenweise näher. Vor dem letzten Absatz hielt ich inne, denn ich sah es von weitem. Dominant und offensichtlich stand ein enorm grosses Paket vor meiner Wohnungstüre. Misstrauisch wie ein Tier, das etwas Ungewohntes in seiner gewohnten Umgebung wahrnimmt, näherte ich mich, Stufe um Stufe, Tritt um Tritt, Schritt um Schritt, dem unerwarteten und aussergewöhnlichen Gegenstand.
In Gedanken prüfte ich meinen kürzlichen Umzug, fragte mich, ob dabei etwas vergessen und nun nachträglich geliefert wurde; überlegte,
ob ich jemandem bereits meine neue Anschrift gegeben habe oder ob ich bei einem Versandhaus eine Bestellung aufgegeben hätte. Jede dieser Fragen konnte ich verneinen. Von wo und woher also kam
dieses Paket und warum landete es so zielbestimmt vor meiner Wohnungstür?
Auch kann es nicht zufällig hier deponiert worden sein. Einen Dachboden gab es in diesem alten Haus nicht – der war nämlich zur Loft-Mansarde umgebaut und an mich vermietet worden. Niemand würde
sich umsonst die Mühe machen, so etwas grosses so hoch hinauf zu tragen. Das wäre sinnlos, schwer und schwierig. Ratlos stand ich vor diesem grossen, fein säuberlich Eingepackten, auf dem mit
markanter Schrift mein Name stand, einem Geschenk gleich.
Noch heute steht es dort. Es soll mich immer wieder überrasschen, wenn ich ausser Puste die Treppe erklimme, um immer wieder erneut von
einem Mysterium begrüsst zu werden. Ein Geheimnis, welches sagt: Endlich Zuhause; Willkommen.
Die Vernier spricht:
"Überraschungen warten vor der Türe."
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame,
gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien
ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine
alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt
worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier
spricht!
Verniers sind Norditaliener mit österreichisch-französisch-schweizerischem Einschlag & wird phonetisch so [ˈvɛʁnje̩] (wernje) ausgesprochen.
— Vivienne Vernier(@Die_Vernier) Juli 16, 2012
Plaudereien