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9. April 2010 5 09 /04 /April /2010 16:21

obst_fragezeichen.JPGPhilosophische Auseinandersetzungen mit seinen Schülern führte Sokrates bevorzugt in der Form der Frage und Gegenfrage. Diese Erklärung ist daher aufschlussreich, da wir wissen, dass nicht Sokrates, sondern sein getreuer Schüler Platon, die Philosophie von dem grossen Denker niedergeschrieben hat.

In mündlicher Form sind Fragen ein Wegbereiter für einen Dialog zwischen Menschen; Frage und Antwort geben dem Gespräch eine Eigendynamik, einen spontanen Austausch verschiedener Ansichten und Meinungen, eine Rückmeldung auf das Sein in seiner ursprünglichen Silhouette, dem Ich. Fragen lösen einen interaktiven Prozess zwischen Gesprächspartnern und gleichzeitig auch mit unserem Ego aus – der Prozess des anzustrebenden Hinterfragens findet seinen Beginn.

Entgegen dem Volksmund, der besagt, dass es keine dummen Fragen gibt, denke ich doch, dass es dämliche Fragen zu Hauff gibt. Jene Fragen werden aus einer Denkfaulheit, einer Bequemlichkeit, einem dekadenten Überdrussempfinden heraus gestellt. In Sekundenschnelle schiessen sie aus dem Munde eines Menschen hervor, der z.B. aus seinem häufigen TV-Konsum die selbstverständliche Erwartung hat, jede Regung und Reizung seiner Neugier sogleich ohne Anstrengung der Gehirnverbindungen befriedigt zu sehen.

Gesellschaftspolitisch gehört es jedoch zum guten Ton, keine Fragen zu stellen, sondern Antworten zu liefern. Schlagfertige Antworten zeugen von Selbstbewusstsein und von Stärke, sie demonstrieren dem Gegenüber eine im wahrsten Sinne mächtige Präsenz des Individuums und seines Territoriums.

Brünstige Hirsche fechten mit ihren Geweihen um das Recht des Stärkeren, der moderne Mensch hat zwar noch kein Geweih, dafür aber Antworten, Meinungen und weltmännische Erfahrungen in Erklärungen.


So oder so, mündlich und öffentlich und ernsthaft die Weltordnung, das Sein und das Leben zu hinterfragen, wird sofort von den Mitmenschen und ihren ausgefeilten Strategien unterbunden, im Wissen, dass die Antworten desillusionierend sein werden.

Der verantwortungsvolle und ernsthafte, der Philosophie zugeneigte Mensch, der sich die intimen Hinterfragen stellt, wird den Fächer der Antworten in seiner Zuflucht finden: In der Geborgenheit der Kultur und ihrer Geschichte. Er wendet sich der Literatur zu, ob an Lesungen oder in Büchern selbst, besucht Ausstellungen in Galerien und Museen, nimmt an Konzerten, Theater- und Kabarettvorstellungen teil, wird stiller Beobachter der Natur, aufmerksamer Zuhörer der Umwelt und verschwiegen lächelnder Mitwisser.

 

Die Vernier spricht: „Fragen sind zwar Früchte, aber Zitrusfrüchte... So haben die Fragen einst auch Eva verführt und die Erkenntnis stellt uns Fragen. Fragen über Fragen.“

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

Sascha 05/01/2010 16:39


Schon krass, dass Platon die ganze Denkweise aufgeschrieben hat und das eben alles durch Frage und Antwort und es ist trotzdem so vielsagend.... mit Philosophen wünscht man sich eigentlich selbst
immer ein Gespräch, da man so viele Fragen hätte, die noch nicht geklärt sind.


amad 04/15/2010 20:48


eine spannende betrachtung, die frage so in den vordergrund zu schieben. ich war innerlich immer davon ausgegangen, dass die frage zu der erkenntnis führt, was immer die erkenntnis auch sein
mag.
so hatten auch adam und eva eine erkenntnis gehabt, die frage hätte nicht wirklich gesprochen werden müssen. wo endet die frage und wo beginnt die erkenntnis?
oder gibt es erkenntnisse ohne fragen? natürlich alle arten von schmerzen, führen den direkten weg zum rückenmark und nicht in die großhirnrinde (bewußtsein), denn schmerz löst erst reflex aus und
dann kommt die erkenntnis, ohne frage.

nur so eine anregung.
lg
amad


Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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