Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
5. September 2011 1 05 /09 /September /2011 03:45

Die Langeweile gehört zu den eigentümlichsten Emotionen der Individualität überhaupt.  Oder: Sie ist das Delta, welches Ströme und Einflüsse der Persönlichkeit fächert.  Oder: Sie ist die Nadel auf dem Vinyl des high-fidelity Soundtracks, welche wiederholt in jede charakteristische Kerbe, Rille und Ritze taucht. Oder: Sie ist die steinerne Bank, auf der wir ausharren.

kessel.jpg

Aber sie ist auch die Gouvernante, die uns Innehaltung verordnet. Sie ist das gesunde Rezept einer gewürzlosen Suppe. Sie ist ein antiseptischer Kelch, gefüllt mit heilendem Trunk: Der erste Schluck ist immer bitter, entfaltet ein nebliges Bouquet, rinnt steril und langsam durch die Schluchten des Gaumens. Aber dann, nach besagtem Schluck und mit einem Atemzug dazu, schmecke ich den süssen Abgang. Das Aroma zieht refugiale Schwaden nach und mit sich.  


Die Zeiger der Zeit erstarren.


Das Diktat der Prioritäten verstummt zur Eintönigkeit. Berechtigt, stolz und aufrecht steht sie da; die Monotonie. Schon beginnt der Esprit zu rebellieren und spielt noch neckisch mit kleinen Phantasieblasen, seifig umfliessend. Ahnt nicht, dass bereits die ersten Funken entfachen.
Die Gluten entzünden durch brummiges Lachen. Das Feuer aber züngelt erst bei einem deutlich ausgesprochenen „Ja!“. Befreit von den Fäden der Sinnesflut lodert das Feuer.

 

Ja! Denn die Geduld misst sich mit der Langeweile. Ja! Denn die Neugierde gräbt sich vorsichtig durch Dünen der Oede. Ja! Denn die Demut hört die Stille gerne. Ja! Denn die Weitsicht kämpft sich durch das Dickicht. Ja! Denn die Reife wächst auch im Moor der Verantwortung. Ja! Denn nur in der Ausgewogenheit kreist die Einkehr mit der Auskehr in optimaler Drehung.

 

Die Vernier spricht:

„Der Umgang mit der Langeweile ist das ungeschriebene Kapitel des Staunes. Fest steht, dass sie uns hin und wieder, aber immer öfter unbemerkt, besucht. Um aus diesen Besuchen ein angenehmes Erlebnis gestalten zu können, bedarf es einer lernfähigen und wertfreien Offenheit. Und den Willen, manchmal eine unkonventionelle Handhabung zu befürworten.

Die echten Meister der eigentümlichen Kunst der Langeweile hören den Ruf mechanischer Uhren nicht; sie weilen naturnah und sind naturgemäss - Tiere.“

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Vivienne Vernier - in Artikel
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Art Vandalay 09/06/2011 13:13



Ich bin ein regelrechtere Experte für Langeweile. Also.. bei Ihnen oder ..nunja, sagen wir mal.. bei mir?



Vivienne Vernier 09/07/2011 01:15



Welch grosse Ehre, den Meisterarchitekten Art Vandelay endlich - zumindest einmal virtuell - auf meinen Seiten Willkommen heissen zu dürfen, ich bin eine grosse Bewunderin Ihrer Arbeit der
architektonischen Langeweile.



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

portraitaugeblog3.jpg
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

      vernier_micro.png

 feed-Kopie-1.png  twitter-Kopie-1.png  facebook-Kopie-1.png

Besucherzaehler