Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
9. Februar 2010 2 09 /02 /Februar /2010 22:25

index.jpgDas älteste und einflussreichste Instrument zensorischer Machtausübung in der Weltgeschichte ist der päpstliche 'Index librorum prohibitorum'. Im Jahre 1559 – 100 Jahre nach Guttenbergs Erfindung des Buchdrucks mit gegossenen beweglichen Lettern, die die Massenproduktion von Büchern ermöglichte – stellte die Katholische Kirche ihre erste Liste zensierter Autoren und Bücher zusammen. Im 'Index', einem Druckwerk von 550 Seiten, waren 5000 verbotene Bücher aufgeführt.

Die Kirche drohte damit, bei den Besitzern oder Lesern dieser Bücher die Exkommunikation zu vollziehen.

1966 stellte die Heilige Glaubenskongregation weitere Veröffentlichungen des 'Index' ein, betonte jedoch, er diene insofern weiterhin 'als moralische Richtschnur, als er den Gläubigen ins Bewusstsein ruft, dass sie Schriften meiden müssen, die Glauben und Sittlichkeit gefährden können'. Heute veröffentlicht die Kirche gelegentlich ein 'Admonitum', eine Warnung für die Gläubigen, dass das eine oder andere Buch gefährlich sein könnte. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um eine moralische Mahnung ohne die Autorität kirchenrechtlicher Verfügung. Die Autoren und deren Bücher wurden im 'Index' verdammt, weil sie gegen die von der Kirche verfügte Moral verstossen oder Ketzerei betrieben hatten oder gar beider Vergehen zugleich beschuldigt wurden.


Von den Autoren Aristophanes, Juvenal, Geoffrey Chaucer, François Rabelais, de Sade, Leopold von Sacher-Masoch, Henry Miller, John Cleland, James Joyce und D.H. Lawrence sollte man eigentlich erwarten, dass sie einen 'Ehrenplatz' im 'Index' erhalten haben. Doch wird man dort vergeblich nach ihrem Namen suchen. Dies rührt daher, dass es für die Indizierung in den meisten Fällen mehr als nur pornographischer oder unmoralischer Texte als Kriterium bedurfte. Die Schriften mussten darüber hinaus blasphemisch, antiklerikal und häretisch sein. Ein typischer Fall: Giovanni Boccaccio und seine Novellensammlung 'Decamerone' wurden sowohl wegen der Obszönität der Texte als auch wegen der Angriffe gegen den Klerus, die der Dichter in viele seiner Novellen eingeschmuggelt hatte, auf den 'Index' gesetzt. Als Bocaccio sein Buch neu herausgab und alle sündhaften Mönche und Nonnen in Herren und Damen verwandelte, verzieh man ihm auf dem Tridentinischen Konzil (1545-1563) und strich seinen Namen und das Buch aus dem 'Index' Auch Galileo Galilei war indiziert und wurde später 'begnadigt'.


Quelle: Rowohlts Bunte Liste, David Wallechinsky, Irving & Amy Wallace

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Vivienne Vernier - in Buch
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Antonia Strehler 02/28/2010 22:13


Ich bin heute hier durch Zufall auf deinen Blog gestoßen... Hab ziemlich interessante Dinge erfahren. Da sieht man mal, man lernt nie aus ;)


Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

portraitaugeblog3.jpg
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

      vernier_micro.png

 feed-Kopie-1.png  twitter-Kopie-1.png  facebook-Kopie-1.png

Besucherzaehler