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21. Juni 2010 1 21 /06 /Juni /2010 12:21

 

Das Leben im Trott des Alltages ist in gelenkten Bahnen, ist ein klar umrissenes Bild unserer Persönlichkeit und ist durch seine Absehbarkeit weder eine Herausforderung noch eine Gefahr zu grenzüberschreitenden Erfahrungen. Dieses unbewusste Abstreiten der seelischen Tiefen eines jeden Menschen, bewährt sich im Spiel der Contenance und der Vorspiegelung falscher Tatsachen im Belügen des persönlichen Ist-Zustandes im Gegensatz zu der möglichen Potentialvariante des ursprünglichen Charakters. Dieser kämpft sich nur durch das Unbewusste in Gestalt von Träumen oder seltenen, spontanen Äusserungen und Handlungen. Seien Sie ehrlich: Wie oft überraschen Sie sich wöchtentlich selbst? Wie oft wöchentlich sind Sie sprachlos über Ihre Gedanken, Ihre Worte oder Ihre Handlungen? Oder haben Sie sich schon die Frage gestellt, warum Sie, die erwachsene Person so absehbar sind? Ist die Antwort darauf die, dass in Ihnen ein kleiner Guru, Sadu, Weiser oder eben ein Herrscher des Anstandes und des gunsteinsammelnden gesellschaftlichen Höflings wohnt?Mond.png

Die Natur des Homo Sapiens strebt nach Bequemlichkeit. Beweise dafür sind unsere zahlreichen Erfindungen zur Erleichterung des Haushaltalltages, die privaten sowie öffentlichen Verkehrsmittel. Denn: Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Haltestellen in kürzesten Abständen aufeinander erfolgen, und dass man womöglich als Fussgänger schneller ist, als ein Fahrgast eines rollenden Mobiles? Und da unsere Bequemlichkeit und unser Wohlbehagen das A und O eines standardisierten Lebens sind, weiten wir das auch auf unsere Persönlichkeit aus – indem wir zum passenden Zeitpunkt die entsprechend wohlwollenden Fragen stellen, in einer Diskussion nicht negativ durch spitze Äusserungen oder provokante Meinungen auffallen und uns in gar keinem Fall der allgemeinen Einstellung entgegensetzen.

Anpassung bedeutet heutzutage in unserer, ach so toleranten Gesellschaft, ein integrierter Mensch mit einem ausgewogenen sozialen Umfeld zu sein. Aufmüpfige Personen findet man in dieser Gesellschaft nur noch am Rande, in unserer Mitte wollen wir weder Kritiker noch erschütternde Neuigkeiten. Klar, die Nachrichten gehören um 20.00 Uhr in jeden Terminplan eines jeden guten Bürgers, aber wir vertrauen darauf, dass die Neuigkeiten in der Tagesschau möglichst weit von unserem Leben entfernt sind – Gedanken über eine Ölpest werden wir uns in Europa erst machen, wenn unsere Badeferien an den Stränden der südlichen Ländern gefährdet sind, wenn eine Strömung des Golfstromes plötzlich Ölklumpen an unsere Gewässer treiben wird. Und dass die Katastrophe nicht so schlimm sein kann, beweist doch die Tatsache, dass der Ex-BP-Manager, einstmals Verantwortlicher dieses Ölfilms auf dem Wasser, tagsdarauf mit seiner Luxusyacht an einer Regatta im Ärmelkanal teilnahm. Gegenüber der Regierung und des Parlaments fühlen wir uns ohnmächtig – solange, bis wir persönlich davon betroffen sind – dann aber gehen wir auf die Strasse, demonstrieren gegen das erhöhte Rentenalter oder gegen die Kürzung unseres montalichen Budgets.

In Dokumentarfilmen schauen wir uns, im gemütlichen Sessel, die bewegende Biographie eines Nelson Mandelas an, jubilieren bei den Bildern seiner Freilassung und genehmigen uns noch einen Schluck dieses köstlichen südafrikanischen Chardonnays.

Caesar und Napoleon sind Diktatoren und ganz und gar verabscheuungswürdig; wer Caesar für das eingeführte Rechstsystem der Justitia lobt oder Napoleon für seine visiönären Gedanken, z.B. die Förderung der Einführung der Konservenbüchsen, ist politisch inkorrekt und sollte gebüsst werden.

Wir halten uns für eine tolerante und aufgeschlossene Gesellschaft – ist dem tatsächlich so? Nein! Schauen Sie sich Retro-Quizshows mal an; würde ein Moderator heutzutage seine humorvollen Bemerkungen wie einst Kuhlenkampf fallen lassen, er wäre garantiert nicht mehr auf Sendung. Ein Marcel Reich-Ranicki, der den deutschen Fernsehpreis ausschlägt, wird zum bemittleidenden alten und senilen Greis gebrandmarkt – ohne dass einmal nur die Frage gestellt wurde, ob  seine Anklage auf Wahrheit beruht. Denn diese Wahrheit kann man nur im Vergleich einer Zeitspanne von etwa 40 Jahren erkennen!


 

Die Vernier spricht: „Wacht auf, ihr Schläfer!“

 

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

christian 06/30/2011 10:06


Meiner Meinung nach haben sich die Zeiten geändert, füher haben die Menschen sich noch stark für etwas gemacht und den Sinn dahinter gesehen. Heute ist jeder mit sich selbst beschäftigt und nicht
intressiert was eigentlich geschieht. Sie nehmen die Bequemlichkeit an weil es ebnend einfacher ist.


nomorecore 05/17/2011 18:55


Netter Artikel! Finde deinen Blog echt klasse:)

Bequemlichkeit würde ich nicht sagen, wohl eher Gewohnheit und Norm...außerdem würde ich auch nicht kollektiv damit umgehen, aber einerseits recht wahr:)


Diese Frage ist mir gleich ins Auge gesprungen und auch wenn sie aus dem Kontext gerissen wurde möchte ich sie beantworten.

Wie oft wöchentlich sind Sie sprachlos über Ihre Gedanken, Ihre Worte oder Ihre Handlungen?
Da ich persönliche Probleme habe...und mich fast schon zwanghaft sehr intensiv mit mir selber und mit metaphysischen Existenzfragen herumschlage, bin ich oft sehr über meine Gedanken überrascht, um
nicht zu sagen schon fast schockiert was ich alles zu denken vermag.
Naja, wie dem auch sei, gelungener Blog!:)


Poeten.Blog.de 08/19/2010 17:14


Also ich bin jetzt wach. Hellwach! Dankeschön,
WORTlieb mARTin


Lacuna 08/15/2010 15:33


Aber daran wird sich nichts ändern, denke ich. Wie du selbst schreibst, das Streben nach Bequemlichkeit ist dem Menschen immanent. Erst wenn sich daraus Nachteile ergeben, wodurch die
Bequemlichkeit ja wieder aufgehoben wird, ändern wir unser Verhalten. Die Ölkrise im Golf v. Mexiko, hat aber auch hier viele Menschen aufgeregt. Mich ganz sicher *knurr*
Grüße


Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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