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1. Februar 2013 5 01 /02 /Februar /2013 18:27


Mit geschlossenen Augen lag sie im Bett. Und mit dem Erwachen lösten sich ihre Dämmerungswolken, hinterliessen ein Gefühl tiefer Zufriedenheit ihren Träumen gegenüber.
Sie räkelte sich zurück in Decken und Kissen und glaubte, sich an die Musik ihres Traumes erinnern zu können. Sie spürte, dass sein Kissen die Wärme des Schlafes bereits verloren hatte. Der Herr hatte sich erhoben. Mit einem Lächeln stand sie auf, um ihn im Tag zu finden. Die kräftige Liebe hatte sie einst aufeinander eingestimmt. Als sie sich zum ersten Mal begegneten, wandelte sich die Lockung in ein Feuer der Schmiede. Felsgestein der Liebe ward das Eisen ihrer Verbindung.
 

Als sie seine Räume betrat, war die Morgenbegrüssung auch das gegenseitige Spüren ausgestreckter Sinne. Alles ist gut, alles wird gut, alles war gut und bleibt so. Sie lächelte in der Küche während der ausgeübten Bewegungen mit dem Kaffeekocher. Und wie jeden Morgen war sie dankbar für die fair-gehandelten, qualitativen Kaffeebohnen, deren Essenz sie mit klarem Gewissen auf den Zug durch den Tag aufspringen liess. Mit zwei dampfenden Kaffeebechertassen trippelte sie zurück zu ihm, egal. Er befand sich im Billardzimmer, stiess mit seinem Queue die weisse Kugel präzise in ihrer Wirkung an. Sein Verstand arbeitete, sein Denken war ebenso markant wie sein Spiel. Mit dem gemeinsamen Trinken dieser Tasse Kaffee streckte er die Arme nach ihr aus, half ihr im Verständnis sich, genau wie er sich selbst zuvor, in den Tag zu strecken. Und sie antwortete durch die Wahl der Musik - im Denken noch schläfrig, doch mit scharfen Sinnen. Seine Stimme war eine Feder, sein Esprit die neckende Spitze, seine Gedanken das Streicheln und bald schon war auch sie wach und bereit, die Gaben des Tages zu erkunden.


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Geflügelte Worte, die sie im gemeinsamen Lachen geschöpft hatten, flatterten zwischen den Liebenden beflügelnd auf. Manch eines war so lustig, dass sie auch die dazu passende Gesten gefunden hatten.


Der Klang ihrer Routine zog das Paar auf die Terrasse hinaus. Sich jeder Witterung gemeinsam stellend, lauschten sie im Innern dem Echo des Wetters. Dabei nippten sie an ihren selbstgedrehten Zigaretten, warfen einander den Ball der Phantasie zu, bis sie sich und dem Tag das erste Abenteuer entlockt hatten.

 

Die Vernier spricht:
"Private Gewohnheit wird zu geteilter Routine. Je strahlender der Mattglanz der Routine, je reiner die Gewohnheit als Ausdruck des Wesens. Authentizität entfaltet sich in der Freiheit, Mut zu Erkennen in ehrlicher Ergebenheit. Wer dem Ruf von Zeit und Liebe folgt, ihn als Ganzes hört, hat in seinem Gepäck nichts Materielles und auch keinen Trott, sondern Poesie. Er kann sowohl in einer einfachen Herberge, wie auch im Schloss sein Talent und seine Eigenschaft aus dem Reisekoffer auspacken. Ungebunden an Örtlichkeit, gebunden an sich und das Leben."

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Published by Vivienne Vernier - in Artikel
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Kommentare

korSpion 02/07/2013 16:03


...oder einen Tiercharaktertag. Ein Tag im Leben eines Faultiers, zum Beispiel...

Wortlieb Martin 02/03/2013 19:16


Poesie in den Alltag bringen, egal wie sehr der Trott das Leben einholt. Kompliment, Vivienne!* Bei einem strengen Tagesablauf empfehle ich jedoch eine der einfachsten
Arten zur Auflockerung des Alltagstrotts. Hierbei inspirierte uns doch der Kinder-Philosoph Spongebob Squarepants so treffend:


"Heute ist Gegenteiltag!"


Dies geht vielleicht im Berufsleben nicht so glatt, aber statt immer bloss einen Backtag, Waschtag oder Einkaufstag festzulegen, kann man ja vielleicht auch einen Lispeltag, Jammertag,
Wellnesstag, Detailsverliebtheitstag oder gar einen Causerientag einführen?


*Die Vernier hat es begriffen, worauf es im Leben ankommt.

Elisa Rivambrosa 02/02/2013 15:36





Ein toller Text, der auch zeigt, wie gut es Dir geht. Wer arbeiten gehen muss, hat einen anderen, strengen Tagesablauf und verfällt schnell im Alltags-Trott, als wenn man, wie Du, im
Billardzimmer mit dem Edelkaffee aufwachen kann, um mit dem Traummann auf der Terasse den beginnenden Tag zu begrüssen...



Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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