Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
18. Mai 2012 5 18 /05 /Mai /2012 04:04

liebesschlösserAnfangs meiner zwanziger Jahre wurde das Korsett von Ausbildung, Erwartung und Konvention eng geschnürt. Die junge De Bauvoir Simone aber, schürte meinen Lernappetit.  Nin Anaïs' Tagebücher trug ich ebenso in meiner Handtasche, wie ich mir mein Potential als glitzerndes Saphircollier um den Hals legte. In einer kleinen, aber sehr renommierten Privatbank war ich die Ballkönigin. Oder ein wertvoll versichertes Gemälde. Der Rahmen des Bildnis' sollte mich zur kultivierten Banquiersfrau entfalten. Das kleine Portrait von Von Rebay Hilla auf meinem Arbeitstisch erinnerte mich stets daran, dass sich Künstler und Mäzene in Stiftungen und Performances an eben jenem Sekretär häufig zur Abwicklung von Transaktionen trafen. Trotzdem empfand ich eine monotone Eingrenzung.


Als ich zusammen mit dem Direktor und erlesenen Kunden das Theaterstück 'The black rider' von Burroughs William S. besuchte, bannte mich das Geschehen auf der Bühne so, dass ich innerlich zur Rebellion aufschäumte.
Nach der Vorstellung konnte ich zwar mit ausdurcksloser Mine die Empörung aller teilen; jedoch aus einer entgegengesetzten Perspektive. Der Abend ging mit vorgespielter Contenance und einem Glas Champagner prasselnd vorbei – die Konsequenz meiner Überlegung aber regte meinen Lebenshunger an, verschlang somit den sonnenköniglichen Willen und dessen Lebensplanung ruhiger Bahnen.

 

Die Tatsache, dass das Geld bestimmt, welche Kultur salonfähig ist und auch, welche Kunst eben nicht etablierungswürdig sei, überstieg sogar die Grenzen der Arroganz einer Vernier Vivienne. Die Faust von Von Goethe nahm an Dimension zu, denn unter der Maske von Mephisto sah ich das Establishment sich verstecken. Byron Lords und Wilde Oscars Verbannung aus dem Zentrum der Macht war damals genauso bieder und stumpfsinnig wie heute. Meine Verachtung für das Establishment spornte mich an, nun auch den Giftschrank der Literatur zu öffnen. Eine aufmüpfige Melodie setze sich in meinen Emotionen ab. Diesen Klängen folgend, traf ich auf Kerouac Jack, den ich, während des Leseaktes wie einen Weckruf wahrnahm. Der Rhythmus des Jazz' schlug Wellen des Nacktseins. Plötzlich wurde ich der Unruh' Freundin. Ich las den 'Fänger im Roggen' nicht nur der Konversation wegen, sondern um eben dieser inneren Unrast begegnen zu können. So suchte ich odysseenhaft sämtliche Buchhandlungen auf; liess mich krankschreiben, als ich 'Betty Blue' mit 37° Grad im Schatten las. Das schlechte Gewissen ob meiner Lüge spülte Bukowski Charles mit seiner Ledertasche   wie einen Schluck Whisky herunter. Und der Spirit stieg. Ich reichte die Kündigung ein; wurde zur Barkeeperin derer, die den Beat spürten. Reed Lou walkte mit mir auf die wilde Seite. Robbins Toms 'Völker dieser Welt, relaxt!' war der Wahlspruch meiner Gäste und des Klubs. Mein Charme blieb die Egozentrik. Der Demian Hesse Hermann verstärkte diese, liess mich aber gleichzeitig auf Distanz gehen, ähnlich wie bei Vader Darth und Skywalker Luke.


Mit einem Morgenstern bewaffnet, fand meine Rebellion ihre Fortsetzung auch in  Galgenliedern und lasterhaften Balladen. Vita
Helen verlieh - scheinbar nur für mich allein - ihre Stimme dem liederlichen Villon Françoise; genauso, wie Cohen Leonard oder Regener Sven meiner literarischen Sehnsucht gehörig Gehör verschafften.

 

Die Vernier spricht:

"Die Monaden einzelner Menschen sprechen Einladungen aus: Leisten Sie diesen Folge! Mit Ihrem Vergnügen oder Ihrem Verdruss werden Sie selbst in die Monade eintauchen, welche wie ein Korsett anschmiegsam oder störend wirken wird. Doch bedenken Sie, Monaden sind vergänglich, aber vorallem persönlich!"

Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Vivienne Vernier - in Artikel
Kommentiere diesen Post

Kommentare

Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

portraitaugeblog3.jpg
Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

      vernier_micro.png

 feed-Kopie-1.png  twitter-Kopie-1.png  facebook-Kopie-1.png

Besucherzaehler