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13. September 2011 2 13 /09 /September /2011 19:43

 Wenn das Orchester bereits spielt, die Protagonisten in die Szenerie getreten sind und der Lauf der Oper „La Tosca“ begonnen hat, dann ist es unmöglich, sich dem erbarmungslosen, aber schönen Geschehen auf der Bühne zu entziehen. 

Nichtsahnend vom tödlichen Griff des Gesetzes, personifiziert durch den korrupten Polizeivorsteher Baron Scarpia, leistet Mario Cavaradossi seinem Freund Cesare Angelotti Hilfe; mittels einem sicheren Versteck.
Angelotti gilt als Verräter auf der Flucht. Mit Bassstimme spricht Angelotti von politischen Unruhen, Kerkern, Folterungen und vom herrschenden, unterdrückerischen Regime. Das Auftauchen des skrupellosen Polizeichefs Scarpia und dessen dominanter Bariton bestätigen alle Befürchtungen des nahenden Unheils. Er ist ein Mann, der nicht nur sein Amt rücksichtslos ausübt, sondern auch seine persönliche Bereicherung konsequent verfolgt. Und er jagt Angelotti, sowie dessen Komplizen und Freund Mario Cavaradossi – aber mehr als alles will er die Primadonna Floria Tosca, Marios Freundin, besitzen. Und so umschlingt der grabende Arm Scarpias unaufhaltsam die Freiheit Marios und ebenso die beflügelte Tosca.

Die Musik ist schneidend scharf, zerfetzt den gleichmässigen Herzschlag mit schnellen Hieben, zielt höher in die volle Inbrunst der Verzweiflung, um in Auflehnung des harten Zusammenpralles, würgend den Atem zu halten.

In der Engelsburg, Scarpias Quartier, wird Mario Cavaradossi gefoltert. Scarpia zwingt Tosca den Quälereien an Mario beizuwohnen. In ihrem Pein zerrissen, geht Tosca einen Handel mit Scarpia ein: Zum Preis ihrer Selbst wird Scarpia das Leben Marios verschonen. Die Symbiose der Gegensätze explodiert in einem unerbittlichen Kampf zwischen Sopran, Bariton und Tenor. Zwischen Trümmern der Erinnerung hält Tosca inne: (Vissi d'arte). Doch Tosca akzeptiert dieses Ende nicht. Sie bekämpft ihre Resignation und ersticht Scarpia in seinem Gemach. - Gefangen im Kerker und im Wissen seines endgültigen Lebensendes preist Mario Cavaradossi ehrfürchtig die Poesie in der Liebe , lässt Höhen und Tiefen seines Seins passieren (E lucevan le stelle). In diesem Moment ist er der Aussenstehende, welcher die Fülle des Lebens nicht mehr kosten kann, dafür umso stärker spürt. Er liebkost streichelnd feinfühlige Nuancen wiedergefundener Andacht der reinen Schönheit.
Die entflohene Tosca eilt zu Mario in den Kerker. Sie spricht von der gemeinsamen Flucht aus der Engelsburg. Von der bevorstehenden, aber vorgetäuschten Exekution Marios. Und von der Tötung des Polizeichefs Baron Scarpia.
Die liebevolle Verabschiedung der Floria Tosca von ihrer Liebe Mario Cavaradossi erinnert wieder an den unbeschwerten Gesang zu Beginn der Oper. Doch: Die Exekution war keine Täuschung. Tosca bemerkt den Irrtum erst, als sie an die Seite ihres reglosen, toten Mannes eilt. Die letzen Funken der fuliminanten Oper rieseln nachdrücklich, mit Toscas Sprung über das Dach der Engelsburg; hinein in die Leere zerplatzter Gegensätze.


Die Vernier spricht: PucciniTosca.jpg

„Puccinis 'La Tosca' ist ein Werk, in dem eine starke und hochaktuelle politische Aussagekraft innewohnt. In Italiens instabiler Zeit liess Puccini dieses Werk am Brennpunkt politischer Kontroversen in Rom uraufführen. In Augenblicken der Unterdrückung und der Manipulation, in Augenblicken  der erzwungenen Bescheidenheit und der Entbehrung, in Augenblicken der Ohnmacht und der Resignation misst sich die volle Härte mit der ganzen Widerstandskraft unserer Selbst. Man fühlt intensiver, die Sinne sind hungrig geschärft, alles zieht tiefe Spiralen nach, mit und in sich. Wer trotz dieser Menge immer noch die Dualität der Gegensätze sieht, der akzeptiert. Und wer dieses eigenartige Gleichgewicht auch noch zu tragen weiss, der weiss auch um seine unabhängigen Kräfte. Denn: Erst wenn das Leben hart wird, beginnen die Harten zu leben!“

 

 

 

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Published by Vivienne "Die" Vernier - in Musik
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Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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