Wenn das Orchester bereits spielt, die Protagonisten in
die Szenerie getreten sind und der Lauf der Oper „La Tosca“ begonnen hat, dann ist es unmöglich, sich dem erbarmungslosen, aber schönen Geschehen auf der Bühne zu entziehen.
Nichtsahnend vom tödlichen Griff des Gesetzes, personifiziert durch den korrupten Polizeivorsteher Baron Scarpia, leistet Mario Cavaradossi seinem Freund Cesare Angelotti Hilfe; mittels einem
sicheren Versteck. Angelotti gilt als Verräter auf der Flucht. Mit Bassstimme spricht Angelotti von politischen Unruhen,
Kerkern, Folterungen und vom herrschenden, unterdrückerischen Regime. Das Auftauchen des skrupellosen Polizeichefs Scarpia und
dessen dominanter Bariton bestätigen alle Befürchtungen des nahenden Unheils. Er ist ein Mann, der nicht nur sein Amt rücksichtslos ausübt, sondern auch seine persönliche Bereicherung konsequent
verfolgt. Und er jagt Angelotti, sowie dessen Komplizen und Freund Mario Cavaradossi – aber mehr als alles will er die Primadonna Floria Tosca, Marios Freundin, besitzen. Und so umschlingt der grabende Arm Scarpias unaufhaltsam die Freiheit Marios und ebenso die beflügelte Tosca.
Die Musik ist schneidend scharf, zerfetzt den gleichmässigen
Herzschlag mit schnellen Hieben, zielt höher in die volle Inbrunst der Verzweiflung, um in Auflehnung des harten
Zusammenpralles, würgend den Atem zu halten.
In der Engelsburg, Scarpias Quartier, wird Mario Cavaradossi gefoltert. Scarpia zwingt Tosca den Quälereien an Mario beizuwohnen. In
ihrem Pein zerrissen, geht Tosca einen Handel mit Scarpia ein: Zum Preis ihrer Selbst wird Scarpia das Leben Marios verschonen. Die Symbiose der Gegensätze explodiert in einem unerbittlichen Kampf zwischen Sopran, Bariton und Tenor. Zwischen Trümmern der Erinnerung hält
Tosca inne: (Vissi d'arte). Doch Tosca akzeptiert dieses Ende nicht. Sie bekämpft ihre Resignation und ersticht Scarpia in seinem Gemach. - Gefangen im Kerker und im Wissen seines endgültigen Lebensendes preist Mario Cavaradossi ehrfürchtig die Poesie in der Liebe , lässt Höhen und
Tiefen seines Seins passieren (E lucevan le stelle). In diesem Moment ist
er der Aussenstehende, welcher die Fülle des Lebens nicht mehr kosten kann, dafür umso stärker spürt. Er liebkost streichelnd feinfühlige Nuancen wiedergefundener Andacht der reinen
Schönheit.
Die entflohene Tosca eilt zu Mario in den Kerker. Sie spricht von der gemeinsamen Flucht aus der Engelsburg. Von der bevorstehenden,
aber vorgetäuschten Exekution Marios. Und von der Tötung des Polizeichefs Baron Scarpia.
Die liebevolle Verabschiedung der Floria Tosca von ihrer Liebe Mario Cavaradossi erinnert wieder an den unbeschwerten Gesang zu Beginn
der Oper. Doch: Die Exekution war keine Täuschung. Tosca bemerkt den Irrtum erst, als sie an die Seite ihres reglosen, toten
Mannes eilt. Die letzen Funken der fuliminanten Oper rieseln nachdrücklich, mit Toscas Sprung über das Dach der Engelsburg;
hinein in die Leere zerplatzter Gegensätze.
Die Vernier spricht:
„Puccinis 'La Tosca' ist ein Werk, in dem eine starke und hochaktuelle politische Aussagekraft innewohnt. In Italiens instabiler Zeit liess Puccini dieses Werk am Brennpunkt politischer Kontroversen in Rom uraufführen. In Augenblicken der Unterdrückung und der Manipulation, in Augenblicken der erzwungenen Bescheidenheit und der Entbehrung, in Augenblicken der Ohnmacht und der Resignation misst sich die volle Härte mit der ganzen Widerstandskraft unserer Selbst. Man fühlt intensiver, die Sinne sind hungrig geschärft, alles zieht tiefe Spiralen nach, mit und in sich. Wer trotz dieser Menge immer noch die Dualität der Gegensätze sieht, der akzeptiert. Und wer dieses eigenartige Gleichgewicht auch noch zu tragen weiss, der weiss auch um seine unabhängigen Kräfte. Denn: Erst wenn das Leben hart wird, beginnen die Harten zu leben!“
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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame,
gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien
ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine
alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt
worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier
spricht!
Verniers sind Norditaliener mit österreichisch-französisch-schweizerischem Einschlag & wird phonetisch so [ˈvɛʁnje̩] (wernje) ausgesprochen.
— Vivienne Vernier(@Die_Vernier) Juli 16, 2012
Plaudereien