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17. Dezember 2009 4 17 /12 /Dezember /2009 22:50

la garconneAus der Reihe [Die Frauen]


Die von mir hier veröffentlichte Serie über Frauen hat natürlich überhaupt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Sachlichkeit. Ich habe für das Schreiben dieser Charaktere auf meinen Erfahrungsfundus zurückgegriffen. Die Reihenfolge meiner Auflistung ist gleichzeitig die Chronologie meiner persönlichen Lehrzeit mit meinen Geschlechtsvertreterinnen. Und diese haben wir alle.

Als Kinder werden wir von Frauen geprägt – logischerweise von Geburt an. Frauen aus der Familie, Pädagoginnen oder Schulkameradinnen bestreiten führend, vorbildhaft und unterstützend mit uns den Weg in die Selbständigkeit. Ich vermute die Emotionalität, mit der wir über das Thema Frauen sprechen, gründet daher. Doch ist es von Vorteil dabei, auch den Verstand einzusetzen. Bedächtig unsere Erfahrungen daraus zu ziehen und unser Leben dementsprechend zu gestalten und das Mass einzugrenzen, welches zulässt in wie weit unser Leben von diesen Frauen weiterhin geprägt wird, ist demnach förderlich. Frauen verdienen Respekt, sie sind die Mütter und Erzieherinnen zukünftiger Generationen. In ihren Händen liegt die Macht der Zukunft. Ihre Macht. Künftige Frauen können sich ein Beispiel an ihren Ahninnen nehmen oder sich auch gegen diese auflehnen. So wie z.B. die vorderste Reihe der Emanzen - welche sich nicht wie ihre Mütter unterjochen lassen wollten und dadurch rebellierten. 

Wie Victor Margueritte’s Rebellin ‚La Garçonne’. ‚La Garçonne’, dieser Begriff trat erstmals 1892 durch Joris Karl Husymans in Erwähnung und wurde 1922 durch den Roman von Margueritte Sinnbild einer modernen Frau, die sich den Männern ebenbürtig sah und mit einem Kurzhaarschnitt, dem Bubikopf, für Furore sorgte. Die Garçonne stand für Konsum, Erfolg und Mobilität, davon zeugten auch die Werbegrafiken, die eine Frau mit Kurzhaarfrisur am Steuer eines Autos zeigten; was damals als äusserst provokant, aber sexy galt.

‚La Garçonne’ war auch die erste Frau, die öffentlich für die sexuelle Befriedigung der Frau stand und in ihrem eigenen Sexualleben auch mit lesbischen Erfahrungen  experimentierte. Was danach kam, kennen wir – die wilden 20er Jahre.

Hier möchte ich gleich auch den Film ‚Die Bankiersfrau’ mit Romy Schneider, in glänzender Rollenbesetzung erwähnen. Vorbild für diese Titelrolle war Marthe Hanau. Madame Eckhert (Romy Schneider) als fähige Direktorin einer Bank, die in den 20er Jahren durch kompetente Führung florierte, den Männern in der Geschäftsführung überlegen war und nur durch ihre Ermordung gestoppt werden konnte.

Solche Beispiele zeugen von Emanzipation. Frauen befreien sich vom Diktat der männlichen, bürgerlichen Gesellschaft, bleiben aber immer noch weiblich. Sie nehmen sich einfach die Freiheit, das zu verkörpern, was sie sein möchten. Und sie sind es. Sie haben es nicht nötig, in eine Rolle zu schlüpfen, um zu trotzen, zu schaden oder zu protzen. Sie verwirklichen ihre Vorstellung völlig frei. Sie haben die Stärke, sich selbst wahrzunehmen, zu verstehen und zu handeln. Egal, was andere darüber denken oder sagen. Wie auch Madame Simone de Beauvoir.

Nach dem Krieg kam leider wieder eine moralische, erdrückende Gesellschaft. Die wiederum zum Abschreckungsbeispiel ihrer Kinder wurde. Und in den 70er Jahren die nächste emanzipatorische Bewegung. Ich persönlich nenne dies das Zeitalter der Amazonen. In der letzten Emanzipationsbewegung ist im Vergleich zu der ‚La Garçonne-Bewegung’ viel mehr Hass, Trotz und Krieg zu finden. Schade, da wir eigentlich ein früheres, besseres Vorbild gehabt hätten.

 

 

Die Vernier spricht: Emanzipation bedeutet Befreiung aus Abhängigkeit.

Wenn eine Frau abhängig von jemandem, meist von einem Mann, ist, liegt die Verantwortlichkeit dafür nicht beim anderen, sondern bei ihr allein. Abhängigkeit, vor allem finanzielle Abhängigkeit, kann schliesslich auch bequem, zwanglos und leicht sein. Oftmals muss man dabei nicht selbst denken und die daraus folgende  Verantwortung und Konsequenz übernehmen.

Jeder ist seines Glückes Schmied: Eine Frau kann sich emanzipieren oder die Abhängigkeit akzeptieren. Aber auf jeden Fall muss sie wissen, was sie will. Und gradlinig danach handeln. Dies bedeutet aber auch, dass typische weibliche Reaktionen aus Hass, Vorwürfen, Vorurteilen und Beschuldigungen unangebracht sind.

Ich muss dies erwähnen, weil ich immer häufiger die Beobachtung einer falschen Auslegung der Emanzipation mache – eine Bestätigung dafür ist im aktuell tobenden Geschlechterkampf zu sehen.

Doch Emanzipation heisst auch Gleichstellung. Und da ist es doch nur fair, wenn eine selbständige Frau genaugleich gestellt ist, wie ein selbständiger Mann.

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Published by Vivienne Vernier - in [Die Frauen]
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Kommentare

Die Isabella 12/25/2009 13:46


Frau Schwarzer würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie gestorben wäre... ^^ Nein, im Ernst: Ich finde auch, dass die Emanzipazion zu weit geht, es geht nicht mehr um die Gleichstellung von Frau und
Mann, sondern eher um einen Machtkampf. Ich als Frau will aber nicht um Macht kämpfen, sondern um mein gutes Recht und dieses Recht gebe ich Dir. Du hast vollkommen recht, es ist nur schade, dass
es womöglich zu wenige Frauen gibt, die ihre Rolle als Frau im Sinne von "EinfachFrauSein" sehen. Oh, wie ich gerade merke, regt dieses Blog sehr zum Denken an, dann werd ich mal weiterdenken und
hoffe auf weitere interessante Blogartikel von Dir.


Die Vernier spricht

...über ihre Causerien!

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Cau|se|rie; [kozəˈriː]; lat.'causa' „Ursache“; frz.'causer' „plaudern“ ist eine unterhaltsame, gebildete Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten und Vorträge. In der Schweiz, in Frankreich und Großbritannien ist der Begriff sehr gebräuchlich für informelle Gesprächskreise. Das reicht von Vernissagen, Soirées, Literaturkreisen, bis hin zu Musik-Sessions, die Jazz-Causerie genannt werden. Eine alltägliche Begebenheit kann mit scharfer Beobachtungsgabe an Brisanz gewinnen. Interessant wird es jedoch erst, wenn der gegenwärtigen Scharfsicht auch noch eine Prise Phantasie hinzugefügt worden ist – schliesslich sind Paradoxa die Grundsteine des menschlichen Lebens! Sodann wird das grosse Finale in bildreicher Sprache serviert. Und deshalb hört man zu, wenn die Vernier spricht!

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